Wird diese Mail nicht korrekt angezeigt? Dann wechseln Sie hier zur Online-Version.

Wissen, was drin ist.

Newsletter

Dezember 2015

•  Antibiotika in der Landwirtschaft
•  REACH
•  Staphylococcus aureus
•  Neubewertung von Glyphosat

 
Manfred Giesecke 
 

Liebe Leserinnen & Leser,

kennen Sie das Gefühl, dass die Zeit immer schneller zu vergehen scheint? Eben erst hatte ich doch den Weihnachtsdank für den Newsletter 12/2014 formuliert und nun ist das Jahr schon wieder vorbei? Aber genau dafür soll auch die Advents- und Weihnachtszeit dienen: „Tempo rausnehmen“, „ab­bremsen“, „entschleunigen“, „besinnen“. Verschiedene Begriffe für den gleichen Prozess. Nach dem Trubel eines vergangenen Jahres zu verschnau­fen und das Erlebte Revue passieren zu lassen. Wo stehen wir, wo wollen wir hin, wer begleitet uns auf diesem Weg und wie steht es mit dem wichtigsten Gut, der Gesundheit?

Wenn ich zu dieser Zeit des Jahres zu diesen Gedanken komme, dann ge­lange ich natürlich auch immer wieder zu dem Punkt, mir Gedanken über Sie, unsere Auftraggeber, Kunden, langjährigen Geschäftspartner, ja sogar Freunde zu machen. Nicht zuletzt sorgt diese z.T. über Jahrzehnte laufende, vertrauens­volle Zusammenarbeit dafür, dass die GBA Laborgruppe sich seit nunmehr 26 Jahren immer weiter entwickelt. Ich möchte diese Gelegenheit nutzen, mich ganz persönlich bei Ihnen für dieses Vertrauen und die partner­schaftliche Zu­sammenarbeit zu bedanken. Wir haben das stets als Ansporn verstanden, unsere Qualität und Dienstleistung fortwährend zu verbessern, um Ihnen weiter­hin als leistungsfähiger Partner zur Seite zu stehen. So werden wir auch im kommenden Jahr mit neuen Projekten, Technologien und Entwick­lungen unser Portfolio ausbauen, um auch weiterhin Ihr kompetenter An­sprechpartner für alle Belange rund um Ihre analytischen Fragestellungen zu sein.

Anlässlich unserer Weihnachtsspende haben wir in diesem Jahr vier Organisa­tionen ausgewählt, die unheilbar erkrankte und z.T. schwerstmehrfach behin­derte Kinder und Jugendliche sowie deren Eltern helfen, die Not auf einem schweren Weg zu lindern und das Leben vielleicht in kleinen Dingen erträg­licher zu machen. Der Förderverein KinderLeben e.V. in Hamburg, der Förder­verein Kinderhospiz Gelsenkirchen e.V. Arche Noah, der Förderverein Kinder­palliativzentrum München e.V. und das Kinderhospiz Löwenherz e.V. in Syke haben es sich zur Aufgabe gemacht, die letzten Monate von Kindern und Ju­gendlichen mit tödlich verlaufenden Krankheiten zu begleiten.
Auch in diesem Jahr glauben wir, dass wir damit auch in Ihrem Sinne gehan­delt haben.

Abschließend wünsche ich Ihnen und Ihren Angehörigen in der Vorweihnachts­zeit, Ruhe zum Durchatmen und Besinnen sowie ein friedvolles Weihnachts­fest und für das neue Jahr Gesundheit, Zufriedenheit und Erfolg.

Ihr Manfred Giesecke
Geschäftsführender Gesellschafter
GBA Laborgruppe

 
 

Einsatz von Antibiotika in der Landwirtschaft rückläufig

von Dr. Sven Steinhauer, GBA Laborgruppe

In unserem Newsletter NL 15-19 aus dem Mai 2015 stellten wir Ihnen die aktu­ellen Maßnahmen zur Vermeidung von Antibiotikaresistenzen vor. Neueste Mel­dungen über den rückläufigen Einsatz von Antibiotika in der Land­wirtschaft be­stätigen die wichtigste Maßnahme, nämlich die Vermeidung von prä­ventiven Abgaben dieser Wirkstoffe.[1] Daten aus den Jahren 2013 und 2014 zeigen den Rückgang der verordneten Mengen. Antimikrobielle Tier­arzneimittel wurden in 2011 noch in einer Gesamtmenge von 1706 Tonnen (t) verabreicht und sind in 2014 auf etwa 1238 t reduziert worden.[1] Einzig im Bereich der hochwirksamen Fluorchinolonen stieg der Einsatz von 8,2 t in 2011 auf 12,3 t in 2014.[2] Hier sind dringend Maßnahmen angeraten, da gerade die Resistenz­raten gegen Fluorchinolone z.B. bei Geflügel in den letzten Jahren stark ge­stiegen sind.

Die Daten zeigen jedoch eine grundsätzlich positive Veränderung im Verord­nungsverhalten der deutschen Nutztierärzte. Da die Erhebung der verabreich­ten Wirkstoffmengen an Antibiotika im Veterinärbereich erst seit einigen Jahren durchgeführt wird, wird man zukünftig untersuchen müssen, wie der Einsatz von Antibiotika allgemein und im speziellen, der sehr kritisch zu betrachtenden Wirkstoffe, weiter zu reduzieren ist.

Wir werden für Sie das Thema weiter beobachten und Sie entsprechend infor­mieren. Sollten Sie Fragen zu diesem oder anderen Themen der Laboranalytik haben, dann kontaktieren Sie bitte Ihren Ansprechpartner bei der GBA Labor­gruppe oder

GBA Gesellschaft für Bioanalytik mbH
Herrn Dr. Sven Steinhauer
Tel.: +49 (0)40 797172-0



Literatur:
[1]
http://www.bfr.bund.de/de/presseinformation/2015/32/einsatz_von_
antibiotika_in_der_landwirtschaft_ruecklaeufig__antibiotikaresistenzen_
stagnieren-195493.html
; 16.11.2015
[2] http://www.bvl.bund.de/DE/07_DasBundesamt/08_Veranstaltungen/
Symposium_2015/02_Programm/programm_node.html#Anker7
; 16.11.2015

 
 

Optimierungsbedarf bei vielen REACH-Registrierungsdossiers

von Dr. Sven Steinhauer, GBA Laborgruppe

In der Europäischen Union (EU) müssen Hersteller und Importeure Chemi­kalien bei der Europäischen Chemikalienagentur (ECHA) registrieren. Dabei sind Angaben zur Gefahren- und Risikocharakterisierung der Chemikalien vorzu­legen. In einer Risikobewertung müssen sie darüber hinaus nachweisen, dass die Verwendung ihrer Stoffe sicher ist. Ziel ist es, das von den Stoffen ausge­hende Risiko angemessen zu beherrschen.[1] Für Chemikalien mit einer Jah­resproduktion von ≥ 1000 Tonnen (t) sind in den Anhängen VII bis XI der REACH-Verordnung (EG) Nr. 1907/2006 [2] die entsprechenden Anforde­rungen festgelegt. Das einzureichende Registrierungsdossier muss eine Vielzahl toxi­kologischer und ökotoxikologischer Studien beinhalten. Hier sind die Anforde­rungen sehr anspruchsvoll und umfangreich und beinhalten aufwendige Prüfun­gen zu zahlreichen Punkten. Es sollen soweit möglich vorhandene Daten Ver­wendung finden, um auf Tierversuche weitgehend verzichten zu können.

Im März 2014 lagen der ECHA 1932 Registrierungsdossiers federführender und individuell registrierender Chemikalien-Produzenten vor, die in die Kategorie ≥1000 t fallen. Die eingereichten Dossiers wurden im Auftrag des Umweltbun­desamts (UBA) vom Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) in einem einjäh­rigen Projekt „REACH Compliance: Datenverfügbarkeit in REACH Registrierun­gen“ untersucht.[3,4] Hierbei sollte überprüft werden, ob die gesetzlich vorge­schriebenen Anforderungen erfüllt wurden.

Überprüft wurden folgende Umwelt- und Gesundheitsgesichtspunkte:

•  Toxizität nach wiederholter Aufnahme
•  Mutagenität
•  Reproduktions- und Entwicklungstoxizität
•  Biotische und abiotische Abbaubarkeit
•  Bioakkumulation
•  Ökotoxität
•  Exposition in der Umwelt

Aufgrund der hohen Anzahl an Dossiers und der zu überprüfenden Punkte wurde vom BfR eine Screening-Methode entwickelt, der ein standardisiertes Schema von aufeinanderfolgenden Fragen in Form von Entscheidungs­bäumen zugrunde liegt. Dadurch wird eine einfache, schnelle und reprodu­zierbare Be­wertung der Daten möglich. Die Ergebnisse der Prüfung wurden anschließend einer beschreibenden statistischen Aufbereitung unterzogen. Von den 1932 vorliegenden Dossiers konnten 1814 mit dem standardisierten Screening-Ver­fahren überprüft werden.

Die zu den jeweiligen Punkten eingereichten Informationen wurden einer von vier Entscheidungskategorien zugeordnet:

•  konform mit den Anforderungen im Rahmen des Screenings
•  nicht konform mit den Anforderungen im Rahmen des Screenings
•  komplex – eine Zuordnung zu konform oder nicht konform konnte nicht
   vorgenommen werden
•  Testvorschlag, soweit mindestens ein Vorschlag des Registranten zur
   Durchführung einer toxikologischen Studie gemäß den REACH-Anhängen
   IX oder X vorgefunden wurde

Das Gesamturteil für jedes Dossier wurde in drei Kategorien bestimmt:

•  konform: alle Punkte stimmen mit den Anforderungen im Rahmen des
   Screenings überein
•  nicht konform: mindestens ein Punkt des Dossiers erhielt die Bewertung
   nicht konform
•  komplex: kein Punkt war nicht konform, jedoch mindestens ein Endpunkt
   wurde als komplex oder Testvorschlag bewertet

Als Ergebnis konnte nur ein Dossier als konform gewertet werden, dies ent­spricht 0,1 %. Bei 58 % waren die REACH-Anforderungen in mindestens einem Punkt nicht erfüllt, so dass sie als nicht konform ge­wertet wurden. Hierbei führ­ten in der Mehrzahl ein oder zwei Punkte, die als nicht konform gewertet wurden, zum Gesamtergebnis nicht konform. Als komplex wurden ­42 % der Dossiers gewertet. Bei mehr als 70 % dieser Dossiers wurden vier bis sieben der zu untersuchenden Punkte als komplex eingestuft.

Bei Betrachtung der Umwelt- und Gesundheitsgesichtspunkte fielen be­sonders die Punkte Reproduktions- und Entwicklungstoxizität, Ökotoxizität und Bio­akku­mulation auf, die mit Werten zwischen 73 – 82 % als komplex eingestuft wur­den. Dabei führten im wesentlichen Ersatzdaten zu ähnlichen Stoffen oder Da­tenverzicht zu der Bewertung komplex. Diese Punkte wurden im Rahmen der Studie des BfR nicht auf Plausibilität überprüft. Bei dem Punkt biotische und abiotische Abbaubarkeit erfüllten 45 % der Dossiers die REACH-Anforderun­gen, was gleichzeitig der höchste Wert war. Der Punkt Entwicklungs- und Re­produktionstoxizität entsprach mit 5 % und die aquatische Toxizität mit 4 % den REACH-Standardanforderungen.

Die Bewertung nicht konform lag in dem Punkt Mutagenität mit 28 % der Dossiers am höchsten. Die anderen Punkte lagen mit 3 bis 15 % Anteil bei den nicht konformen Dossiers. Häufigste Gründe waren, dass die Test­substanz nicht mit dem registrierten Stoff übereinstimmte und dafür eine Begründung oder ein Bezug zu einer akzeptierten Prüfrichtlinie fehlte.

Durch die Studie konnte gezeigt werden, dass mehr als die Hälfte der Dossiers nicht den Standardinformationsanforderungen der REACH-Ver­ordnung entspra­chen und einer Verbesserung bedürfen. Die REACH-Ver­ordnung sieht vor, dass von den Standardanforderungen abweichende Daten für die Beurteilung eines von einem Stoff ausgehenden Risikos verwendet werden können, um so Tierversuche zu vermeiden. Da die Abweichungen im Rahmen des BfR-Projek­tes nicht im Einzelnen geprüft wurden, sollen diese in einem Folgeprojekt unter­sucht werden. Aktuell sieht das BfR die Notwendig­keit einer Verbesserung der Qualität der Daten für eine Vielzahl von Re­gistrierungsdossiers.

Wir werden für Sie das Thema weiter beobachten und Sie entsprechend infor­mieren. Sollten Sie Fragen zu diesem oder anderen Themen der Umweltanaly­tik haben, dann kontaktieren Sie bitte Ihren Ansprechpartner bei der GBA La­borgruppe oder

GBA Gesellschaft für Bioanalytik mbH
Herrn Ralf Murzen
Tel.: +49 (0)4101 / 7946-0



Literatur:
[1] http://www.reach-info.de/
; 17.11.2015
[2] http://eur-lex.europa.eu/LexUriServ/LexUriServ.do?uri=OJ:L:2007:136:0003:0280:de:PDF;
17.11.2015
[3] http://www.umweltbundesamt.de/publikationen/reach-compliance-data-availability-of-reach;
17.11.2015
[4] http://www.bfr.bund.de/cm/343/bfr-forschungsprojekt-zeigt-datengrundlage-vieler-reach-registrierungsdossiers-muss-vervollstaendigt-werden.pdf;
17.11.2015

 
 

Themenserie Mikrobiologie: Staphylococcus aureus

von Mareen Lehmann, GBA Laborgruppe

Staphylococcus aureus ist ein grampositives kugelförmiges Bakterium (Kokkus), welches keine Sporen bildet und unbeweglich ist. Es ist fakultativ anaerob und hat sein Wachstumsoptimum zwischen 35 und 37 °C.[1] Der Name Staphylo­coccus stammt aus dem griechischen (= Traubenkügelchen) und beschreibt die traubenähnliche Anordnung der Kokken, aureus dagegen (lat. „golden“) bezieht sich auf die Fähigkeit Carotinoide zu synthetisieren, die den Kolonien die gold­gelbe Färbung verleihen.[2] In der Lebensmittelmikro­biologie werden die Sta­phylokokken in Koagulase-positive (pathogene), zu denen S.aureus gehört, und Koagulase-negative (überwiegend apathogene) Spezies unterteilt.[3]

S.aureus ist ubiquitär und einer der häufigsten Eitererreger bei Tier und Mensch. Es verursacht beim Menschen nicht nur kleinere lokale Entzün­dungen und Wundinfektionen, sondern auch generalisierte Infektionen mit anschlie­ßendem Befall bestimmter Organe. Bei gesunden Personen kann S.aureus als Keimträ­ger im Stuhl, auf den Schleimhäuten des Nasen-Rachen-Raumes sowie auf der Kopfhaut vorkommen. Bei der Zubereitung von Lebensmitteln können die Keime dann in das Lebensmittel gelangen. Vor allem eiweiß- und kohlenhydrat­haltige Lebensmittel mit einem hohen Wasser­gehalt wie z.B. Fleisch und Wurst­waren, Nudeln, Reis und milchhaltige Produkte bieten einen guten Nährboden.

Die Stämme von S.aureus können Staphylokokken-Enterotoxine (SE) bilden, welche die Ursache von Lebensmittelvergiftungen sein können. Die gebil­deten Toxine werden serologisch in die Typen A, B, C, D, E oder F eingeteilt, wobei nur die Arten A bis E für eine Lebensmittelvergiftung von Bedeutung sind. Der Serotyp A ist wiederum das am häufigsten auftretende Staphylokokken-Entero­toxin in Lebensmitteln. Im Allgemeinen sind die Enterotoxine relativ hitzestabil. Erst nach mehreren Stunden bei Temperaturen zwischen 70 und 80 °C werden sie inaktiv.[1] Es wird davon ausgegangen, dass eine Keimzahl von 106 KBE/g Lebensmittel ausreichen, um genügend Enterotoxine mit pathogener Wirkung zu produzieren. Da jedoch nicht jeder Stamm Toxine synthetisiert und die Menge abhängig von verschiedenen Umgebungsfaktoren ist, kann anhand des „groben“ Richtwertes keine zuverlässige Risiko­abschätzung erfolgen. Findet eine Intoxikation mit einem Enterotoxin statt, können etwa 1 bis 6 Stunden nach Aufnahme des Lebens­mittels erste Symptome auftreten. Durch die Wirkung auf die Darmschleim­haut kommt es zu Diarrhöen, Übelkeit und Erbrechen, welche in der Regel nach 1 bis 2 Tagen zurückgehen. In seltenen Fällen kann es auf­grund des geringen Salz- und Wasserhaushaltes zu schlimmeren Folgen (z.B. Krämpfe, Kollaps) kommen. Um eine Kontamination zu vermeiden, sollten eine gute Personalhygiene sowie eine ausreichende Erhitzung der Lebens­mittel vor­beugend wirken.

Eine besondere Herausforderung sind multiresistente Stämme wie der Methi­cillin-resistente Staphylococcus aureus (MRSA), der aufgrund seiner Un­empfind­lichkeit gegenüber sogenannten Beta-Laktam-Antibiotika (Penicilline und Ce­phalosporine) nur schwer zu therapieren ist. Infektionen mit MRSA treten am häufigsten in Krankenhäusern auf, insbesondere auf Intensiv­stationen.[4]

Für die Lebensmittel Käse, Milch- und Molkenprodukte sowie Erzeugnisse von gekochten Krebs- und Weichtieren ohne Panzer bzw. Schalen wurden in der Verordnung (EG) Nr. 2073/2005 über mikrobiologische Kriterien für Lebensmit­tel Lebensmittelsicherheitskriterien und Prozesshygienekriterien hinsichtlich koa­gulase-positiver Staphylokokken bzw. Staphylokokken Enterotoxin definiert.[2]

Haben Sie weitere Fragen, dann kontaktieren Sie Ihren persönlichen Kunden­betreuer oder

GBA Gesellschaft für Bioanalytik mbH
Frau Heike Schlechte
Tel.: +49 (0)40 / 79 71 72-0



Literatur:
[1] Krämer, J.: Lebensmittelmikrobiologie, 4. neu bearbeitete Auflage, Verlag Eugen Ulmer GmbH & Co., Stuttgart (Hohenheim), 2002
[2] Johler, S., Stephan, R.:  Pathogene Mikroorganismen Staphylococcus aureus, 1. Auflage, Behr´s Verlag GmbH Co.KG, Hamburg, 2010
[3] Baumgart, J., Becker, B., Stephan, R.: Mikrobiologische Untersuchung von Lebensmitteln, 66. Aktualisierungs-Lieferung, Behr´s Verlag GmbH Co.KG, Hamburg, 2014
[4] Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR), http://www.bfr.bund.de/cm/343/fragen-und-antworten-zu-methicillin-resistenten-staphylococcus-aureus-mrsa.pdf
, aktualisierte FAQ vom 18. November 2014

 
 

EFSA und die EU-Mitgliedstaaten haben die Neubewertung von Glyphosat abgeschlossen

von Dr. Sven Steinhauer, GBA Laborgruppe

Wirkstoffe für Pflanzenschutzmittel unterliegen einer Genehmigung durch die Europäische Kommission. Diese Genehmigung für einen Erstantrag ist auf maximal 10 Jahre befristet. Vor dem Ablauf dieser Frist müssen die Hersteller einen Antrag auf erneute Genehmigung stellen, wenn sie den Wirkstoff weiter in Pflanzenschutzmitteln verwenden wollen.

Der Wirkstoff Glyphosat befindet sich derzeit im Prozess der Neubewertung. Die Kommission beauftragt im Genehmigungsverfahren einen Mitgliedsstaat als Berichterstatter (Rapporteur Member State (RMS)). Für Glyphosat wurde Deutschland als RMS benannt. Als federführende Behörde für den zu erstel­lenden Bewertungsbericht (Renewal Assessment Rapport (RAR)) hat die Bundes­regierung das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittel­sicherheit (BVL) benannt. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) wurde im Verfah­ren der Neubewertung mit der Bewertung des gesundheitlichen Risikos des Wirkstoffes beauftragt.[1]

Der erste Entwurf des RAR wurde nach dem Zeitplan der Europäischen Kom­mission bis Ende 2013 erstellt und an die Europäische Behörde für Lebens­mittelsicherheit (EFSA) übergeben. Anfang 2014 erfolgte eine Konsultation mit Fachleuten anderer Mitgliedsstaaten und der Antragsteller im Peer Review-Verfahren sowie eine öffentliche Konsultation unter der Leitung der EFSA. Im Dezember 2014 wurde von den in Deutschland beteiligten Behörden der über­arbeitete Gesamtbericht an die EFSA weitergeleitet. Darin enthalten waren umfangreiche Kommentare und zusätzlich Studien aus der Konsultation mit den Mitgliedsstaaten und der interessierten Öffentlichkeit. Im Februar 2015 fand eine weitere Konsultation mit Experten der Mitglieds­staaten bei der EFSA statt, um verbliebene Fragen zu beantworten. Am 1. April 2015 wurden die geforder­ten Zuarbeiten in Form eines überarbeiteten Gesamtbericht an die EFSA über­geben. Im März dieses Jahres wurde der Wirkstoff Glyphosat von der Internatio­nalen Agentur für Krebsforschung (IARC) als kanzerogen entsprechend der Gruppe 2A, also wahrscheinlich krebserzeugend für den Menschen, eingestuft. Die Daten der IARC wurden online in der Zeitschrift Lancet Oncol am 20.03.2015 publiziert [2] und treffen BfR und BVL mitten im Genehmigungsver­fahren.

Diese Einstufung lag nicht im Einklang mit den bisherigen Bewertungen inner­halb der Europäischen Union (EU). Nach der Veröffentlichung der IARC Mono­graphie zur Einstufung von Glyphosat Ende Juli 2015 [3] wurde das BfR von der Bundesregierung und der EFSA beauftragt, die Einschätzung der IARC zu prüfen. Diese Prüfung wurde im August 2015 abgeschlossen und in schrift­licher Form an die EFSA übermittelt. Nach einem zusätzlichen Experten­treffen der Mitgliedsstaaten unter Beteiligung von Vertretern der World Health Organization (WHO), der IARC und der U.S. EPA (Environmental Protection Agency) im Sep­tember 2015 konnte die Einschätzung der IARC noch bei der Neubewertung von Glyphosat im Rahmen der EU-Wirkstoffprüfung berücksichtigt werden. Basie­rend auf dem überarbeiteten RAR und dem Addendum haben die Ex­perten der EFSA den zusammenfassenden Bericht (EFSA Conclusion) für die Bewertung von Glyphosat zur erneuten Geneh­migung erstellt.[4,5] Damit wurde der wis­senschaftliche Bewertungsprozess im Genehmigungsverfahren abge­schlossen. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) kam nach erneuter Prüfung seiner Bewertung des gesundheitlichen Risikos zum Ergebnis, dass der Wirkstoff Glyphosat bei bestimmungsgemäßer Anwendung in der Land­wirtschaft nicht krebser­zeugend ist.[6] Die Experten aus den Behörden der EU-Mitgliedstaaten und die EFSA bestätigten mehrheitlich in der EFSA Conclusion des wissen­schaftlichen Bewertungsverfahrens die Einschätzung des BfR.

Die unterschiedlichen Bewertungen kommen durch unterschiedliche Systeme zustande. Während die IARC ein 1971 eingeführtes System der Klassifizierung kanzerogener Eigenschaften verwendet, wird in Europa ein fortentwickeltes weltweit abgestimmtes „Globalized Harmonized System“, das mit der CLP-Verordnung (Regulation on Classification, Labelling and Packaging of Substan­ces and Mixtures) gesetzlich vorgegeben ist, verwendet. Im System der IARC wird eine rein gefahrenbezogene Analyse durchgeführt. Damit wird die Eigen­schaft benannt, ob ein Wirkstoff in der Lage ist, Krebs zu erzeugen nicht aber die Wahrscheinlichkeit, dass Krebs tatsächlich erzeugt wird, wenn dies von der aufgenommen Stoff­menge abhängt. Im europäischen System hingegen wird eine risikobezogene Bewertung vorgenommen. Hier wird neben der Gefährlich­keit eines Stoffes auch die tatsächlich aufgenommene Stoff­menge ermittelt und berücksichtigt. Mit diesen Informationen kann das Risiko an Krebs zu erkran­ken, berechnet werden.

Aufgrund der aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen wurde von einer Peer-Review-Expertengruppe aus EFSA-Wissenschaftlern und Vertretern von Risiko­bewertungsstellen in EU-Mitgliedstaaten für Glyphosat eine akute Referenz­dosis (ARfD) von 0,5 mg/kg Körpergewicht vorgeschlagen. Neben der Einfüh­rung der ARfD werden in dem Review-Bericht weitere toxiko­logische Sicher­heitsgrenzwerte zur Orientierung für die Risikobewerter vorgeschlagen: Die an­nehmbare Anwenderexposition (Acceptable Operator Exposure Level - AOEL) wurde auf 0,1 mg/kg Körpergewicht pro Tag gesetzt, und für Ver­braucher wurde dem ARfD entsprechend eine zulässige tägliche Aufnahmemenge (Acceptable Daily Intake - ADI) von 0,5 mg/kg Körper­gewicht vorgeschlagen.[7,8]

Die EFSA will zukünftig die neuen toxikologischen Grenzwerte bei der Über­prüfung der Rückstandshöchstgehalte für Glyphosat in Lebensmitteln berück­sichtigen, die die Mitgliedstaaten 2016 durchführen wollen. Die aktuelle Schlussfolgerung der EFSA wird bei der Entscheidung der Europäische Kom­mission, ob Glyphosat auf der EU-Liste der genehmigten Wirkstoffe ver­bleibt, einfließen.[9]

Pflanzenschutzmittelwirkstoffe wie Glyphosat und dessen Haupttransforma­tionsprodukt AMPA (Aminomethylphosphonsäure) werden seit vielen Jahren bei der GBA Laborgruppe untersucht. Durch die weite Verbreitung in Wasser, Bö­den, Lebensmitteln und biologischen Proben (Biota) ist die analytische Kompe­tenz sowohl im Geschäftsbereich Lebensmittel als auch Umwelt gegeben. Informieren Sie sich zu diesem Thema. Wir stehen Ihnen für Ihre Fragen als kompetenter Ansprechpartner zur Verfügung.

GBA Gesellschaft für Bioanalytik mbH
Herr Dr. Frank Schütt
Tel.: +49 (0)40 797172-0



Literatur:
[1]
http://www.bfr.bund.de/de/fragen_und_antworten_zum_verfahren_der_
neubewertung_von_glyphosat_im_rahmen_der_eu_wirkstoffpruefung-
195573.html
; 24.11.2015
[2] Guyton KZ, Loomis D, Grosse Y, El Ghissassi F, Benbrahim-Tallaa L,
Guha N, Scoccianti C, Mattock H, Straif K; Carcinogenicity of
tetrachlorvinphos,
parathion, malathion, diazinon, and glyphosate.,
Lancet Oncol. 2015, 16(5), 490-491. doi: 10.1016/S1470-2045(15)70134-8.
Epub 2015 Mar 20.
[3]
http://monographs.iarc.fr/ENG/Monographs/vol112/mono112-09.pdf; 30.11.2015
[4] http://www.efsa.europa.eu/de/press/news/151119a; 19.11.2015
[5] http://www.efsa.europa.eu/sites/default/files/scientific_output/files/main_
documents/4302.pdf
; 24.11.2015
[6] http://www.bfr.bund.de/de/fragen_und_antworten_zur_unterschiedlichen_
einschaetzung_der_krebserzeugenden_wirkung_von_glyphosat_durch_bfr_und_
iarc-195575.html
; 24.11.2015
[7] http://www.efsa.europa.eu/de/press/news/151112; 24.11.2015

[8] http://www.efsa.europa.eu/sites/default/files/corporate_publications/files/
efsaexplainsglyphosate151112de.pdf
; 24.11.2015
[9] http://www.efsa.europa.eu/de/efsajournal/pub/4302
; 24.11.2015


Fügen Sie info-mail@gba-group.de Ihrem Adressbuch hinzu, um sicherzustellen, dass Sie E-Mails von der GBA Laborgruppe erhalten.

Impressum | GBA-GROUP.de | Newsletter abmelden

Alle Angaben wurden möglichst fehlerfrei und sorgfältig recherchiert für Sie zusammengestellt.
Sollten die enthaltenen Angaben dennoch unvollständig sein, Fehler enthalten oder sich zwischenzeitlich Änderungen ergeben haben, dann übernehmen Redaktion und Herausgeber keine Gewähr.

Herausgeber dieses Newsletters: © GBA Laborgruppe. Alle Rechte vorbehalten.