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Newsletter

September 2015

•  Aktueller Stand zur Mantelverordnung
•  Bienen in Gefahr
•  Screening von Erzeugnissen auf SVHC (REACH)
•  Themenserie Mikrobiologie: Salmonellen
•  CPhI Worldwide in Madrid

 

Liebe Leserinnen & Leser,

mit unserem September-Newsletter wollen wir uns aus der Sommerpause zurückmelden. Wir hoffen, dass Sie ebenfalls gut erholt aus dem Sommer zurück sind und begrüßen Sie wieder mit interessanten Themen aus dem Umwelt- und Lebensmittelbereich. Wir wünschen Ihnen viel Freude beim Lesen!

Ihre GBA Laborgruppe

 
 

Aktueller Stand zur Mantelverordnung

von Dr. Sven Steinhauer, GBA Laborgruppe

Das Bundesumweltministerium (BMUB) hat den dritten Arbeitsentwurf der Mantelverordnung (MantelV) mit dem Stand vom 23. Juli 2015 veröffentlicht.[1] Diese soll nach Ansicht des Bundesumweltministeriums ein abgestimmtes und in sich schlüssiges Gesamtkonzept zum ordnungs­gemäßen und schadlosen Einsatz von mineralischen Ersatzbaustoffen sowie für das Auf- und Einbringen von Material auf und in den Boden zugrunde legen. Hierfür wurden die folgenden Verordnungen überarbeitet:

•   Verordnung zum Schutz des Grundwassers (Grundwasserverordnung)
•   Bundes-Bodenschutz- und Altlastenverordnung
•   Verordnung über Anforderungen an den Einbau von mineralischen 
    Ersatzbaustoffen in technische Bauwerke (Ersatzbaustoffverordnung)
•   Deponieverordnung

Damit kommt nach längerer Pause wieder Bewegung in einen Prozess, der mit dem „Tongruben-Urteil II“ vom 15. April 2005 seinen Anfang nahm.[2] Das Bundesverwaltungsgericht stellte darin klar, dass eine rein behördeninterne Anweisung (hier die Leitlinien der Bund-Länder-Arbeitsgemeinschaft Abfall (LAGA) vom 6. November 2003 „Anforderungen an die stoffliche Verwertung von mineralischen Abfällen - Technische Regeln (LAGA M 20)“) keine ausreichende Rechtsgrundlage hinsichtlich der Umweltanforderungen an Verfüllungen darstelle. Vielmehr sei eine Orientierung an den Vorgaben des Bodenschutzrechtes erforderlich. Im Herbst desselben Jahres haben die betroffenen Bund-Länder-Arbeitsgemeinschaften Wasser (LAWA), Abfall (LAGA) und Bodenschutz (LABO) den Bund gebeten, eine bundeseinheitliche Regelung zu erarbeiten.

Bei der Erstellung der rechtlichen Regelung standen verschiedene Ziele im Mittelpunkt:

•   Schutz von Mensch und Umwelt vor Schadstoffen
•   Schutz von Boden und Grundwasser bei der Verwendung mineralischer 
    Ersatzbaustoffe
•   Inanspruchnahme natürlicher Ressourcen im Sinne einer
    Kreislaufwirtschaft zu vermeiden in dem möglichst hohe
    Wiederverwertungsquoten erreicht werden 
•   Rechtsicherheit zu schaffen
•   Verwaltungsvereinfachung durch Verzicht auf Genehmigungen und 
    behördliche Prüfungen

Nach dem 1. Entwurf der Mantelverordnung im Januar 2011 wurde der 2. Entwurf im Oktober 2012 vorgestellt. Beide Entwürfe wurden kontrovers diskutiert und konnten keinen Konsens zwischen den beteiligten Gesprächs­partnern erzielen. So sind die den Prüfwerten zugrunde liegenden Gering­fügigkeitsschwellenwerte (GFS) fachlich und rechtlich nicht unumstritten. Teilweise haben einzelne Behörden die GFS-Werte als Sanierungsziel bei Grundwassersanierungen angesehen. Es wurde daher eine Klarstellung in dem Entwurf zur Mantelverordnung erwartet. Gleichfalls wurde die Einführung neuer Untersuchungsverfahren nach DIN 19527 (Schüttelverfahren) und DIN 19528 (Säulenverfahren) mit einem Wasser-Feststoff-Verhältnis 2:1 kritisiert. Diese unterscheiden sich von den Verfahren, die in der Deponieverordnung und in der LAGA M 20 vorgeschrieben sind (S4-Verfahren mit einem Wasser-Feststoff-Verhältnis von 10:1). Letzteres soll dann nicht mehr zulässig sein. Damit wäre ein Vergleich der neuen Materialwerte mit den bislang üblichen Werten der LAGA M 20 nicht mehr möglich. Hingegen sollen Pflanzenschutz­mittel weiterhin mit alten Methoden (DIN EN ISO 11369, DIN 38407-34) untersucht werden, obwohl es neuere Methoden zur Untersuchung gibt (DIN 38407-35 und -36). Die noch im 2. Entwurf fehlenden Bodenluft-Unter­suchungen sind nun im 3. Entwurf wieder berücksichtigt.

Die Bauwirtschaft erwartete vom Verordnungsgeber, dass eine Folgen­abschätzung hinsichtlich der Auswirkungen der Mantelverordnung auf die Stoffströme der Kreislaufwirtschaft vorgelegt wird. Nach eigener Einschätzung würden sich mit dem 2. Entwurf die Stoffströme weg vom Recycling hin zur Deponierung verlagern, was den ohnehin schon knappen Deponieraum noch zusätzlich belasten würde. Die Kosten für das gesamte Baugewerbe würden sich deutlich erhöhen. Die derzeit hohe Recyclingquote würde sinken und der Bedarf an anderen, z.T. natürlichen Rohstoffen würde deutlich ansteigen, was dem Ziel der Nachhaltigkeit, entgegensteht.

Insgesamt jedoch wird es von allen Beteiligten begrüßt, eine einheitliche Regelung zu erreichen, die die unterschiedlichsten Anwendungsregeln der einzelnen Bundesländer und der LAGA M 20, die z.T. rechtlich nicht einmal bindend sind, ersetzt.

Nun ist zu prüfen, ob es mit diesem Entwurf gelungen ist, das Ziel einer Vereinbarung von Umweltschutz, Kreislaufwirtschaft und bezahlbarem Bauen und Wohnen zu erreichen. Im Rahmen des UFOPLAN-Vorhabens des Umweltbundesamtes mit dem Titel "Planspiel Mantelverordnung" sollen die Auswirkungen untersucht werden. Hauptsächlich geht es um die Praxis­tauglichkeit der geänderten Regelungen und die Folgen für Wirtschaft, Verwaltung und Bürger. Kosten für Wirtschaft und Verwaltung sollen abgeschätzt und die mögliche Verschiebung von Stoffströmen bei veränderten Verwertungsmöglichkeiten von mineralischen Ersatzbaustoffen und Bodenmaterial untersucht werden.[3] Insgesamt soll die MantelV noch in dieser Legislaturperiode verabschiedet werden.

Wir werden für Sie das Thema weiter beobachten und Sie entsprechend informieren. Sollten Sie Fragen zu diesem oder anderen Themen der Umweltanalytik haben, dann kontaktieren Sie bitte Ihren Ansprechpartner bei der GBA Laborgruppe oder

GBA Gesellschaft für Bioanalytik mbH
Herrn Ralf Murzen
Tel.: +49 (0)4101 7946-0

 
Literatur:
[1] http://www.bmub.bund.de/themen/wasser-abfall-boden/bodenschutz-und-altlasten/wasser-bodenschutz-und-altlasten-download/artikel/entwurf-der-mantelverordnung-mantelv/?tx_ttnews[backPid]=668, Stand 23.07.2015 
[2] BVerwGE 123, S. 247-261
[3] http://www.umweltbundesamt.de/themen/ufoplan-vorhaben-planspiel-mantelverordnung, Stand 07.08.2015

 
 

Bienen in Gefahr

von Mareen Lehmann, GBA Laborgruppe

Im Jahr 2003 klagten Imker über massive Verluste von Bienenvölkern. Als Ursache vermutete man zunächst die Anwendungen von bestimmten Pestiziden. Dieser Verdacht konnte vom Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) nicht bestätigt werden. Die Ursache sei in einem Zusammenspiel aus allen möglichen Stressfaktoren zu suchen.[1]

Ein weiterer „Skandal“ ereignete sich im Jahr 2008, als tausende Bienenvölker durch behandeltes Maissaatgut am Oberrhein vergiftet wurden. Der Wirkstoff Clothianidin habe nicht ausreichend am Korn gehaftet. Beim Säen von mit diesem zur Gruppe der Neonikotinoiden gehörenden Insektizides gelangte der durch Abriebeffekte entstandene „Clothianidin-Staub“ in die Luft und durch entsprechende Verwehungen u.a. auf blühende Pflanzen und vergiftete so die Bienen.[1]

In den darauf folgenden Jahren wurde die Anwendung von Neonikotinoiden und die Auswirkungen auf die Bienenvölker weiter untersucht. Sie gehören zu den inzwischen flächendeckend verwendeten Insektiziden, die mit den Pollen oder über Guttationstropfen (Wassertropfen auf der Blattrückseite) direkt von den Bienen aufgenommen werden können. Sie wirken als Nervengift und beeinträchtigen die Sinnesorgane des Schädlings, aber eben auch der Bienen. Durch das Andocken des Insektizids an die Nikotinrezeptoren von Nerven­zellen und das Verhindern der Weiterleitung von Nervenreizen werden u.a. Funktionen wie Wahrnehmung, Orientierung und Kommunikation gestört.[2] In hohen Dosen können sich die Neonikotinoide auch tödlich auf die Bienen­völker auswirken.

Auf Grundlage der Neubewertung der Neonikotinoide Imidacloprid, Clothianidin und Thiamethoxam der Europäischen Behörde für Lebensmittel­sicherheit (EFSA) beschloss die Europäische Kommission mit der Durch­führungsverordnung (EU) Nr. 485/2013 von 24. Mai 2013 eine eingeschränkte Anwendung der genannten Wirkstoffe. Die Verwendung der drei Substanzen zur Saatgut-, Boden- oder Blattbehandlung ist derzeit bei Kulturpflanzen, die von Bienen beflogen werden, sowie bei Getreide außer Wintergetreide nicht zulässig. Ausgenommen sind Anwendungen im Gewächshaus. Bei Einführung der Auflagen erklärte die Kommission, dass sie innerhalb von zwei Jahren eine Auswertung etwaiger neuer wissenschaftlicher Informationen zu den Risiken für Bienen durch den Einsatz der drei Neonikotinoide zur Saatgutbehandlung und als Granulat in die Wege leiten würde. Die EFSA bestätigte in einem Schreiben vom 26. August 2015 das Risiko für Bienen bei der Spritzan­wendung der genannten Insektizide nochmals und wird sich in der nächsten Zeit mit der Auswertung der gesammelten Daten von nationalen Behörden, Forschungseinrichtungen, etc. widmen und eine aktualisierte Risikobewertung formulieren.[3]

Bienen reagieren prinzipiell sehr empfindlich auf ihre Umwelt. Das Pestizid-Gremium der EFSA (Panel on Plant Protection Products and their Residues (PPR)) empfahl u.a. die Weiterentwicklung des BEEHAVE-Modells, um Stressfaktoren (z.B. Umweltfaktoren wie Wetter, Verfügbarkeit von Nahrung, Infektionserreger (Varrao-Milbe)) und ihrer Auswirkungen auf die Bienenvölker zu simulieren. Es soll dabei die Populationsdynamik im Bienenstock unter Berücksichtigung der verschiedenen Einflussfaktoren untersucht werden. Dieses Modell solle entsprechend weiter angepasst werden, um auch die Folgen durch den Einsatz verschiedener Pestizide auf die Population im Bienenstock vorhersagen zu können und ggf. den Einsatz des Modells im Rahmen der regulatorischen Risikobewertung heranziehen zu können.[4]

In diesem Jahr veröffentlichte das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft die Verordnung über das Inverkehrbringen und die Aussaat von bestimmten Pflanzenschutzmitteln behandeltem Saatgut für Wintergetreide (PflSchGetreidesaatgAnwV). Gemäß § 1 Abs. 1 darf mit Pflanzenschutzmittel behandeltes Saatgut für Wintergetreide nicht eingeführt oder in Verkehr gebracht werden, wenn die Wirkstoffe Clothianidin, Imidacloprid oder Thiamethoxam enthalten sind, es damit behandelt worden ist oder ein solches Pflanzenschutzmittel anhaftet.[5]

Flupyradifuron, das vom Hersteller als ein besonders bienenfreundliches Pestizid beworben wird, soll als Ersatz für die Neonikotinoide dienen. Bei der Entwicklung des Insektizids aus der neuen Wirkstoffklasse der Butenolide wurde auf bereits bekannte Strukturen aus der Natur zurück gegriffen.[6] Die amerikanische Umweltbehörde EPA kommt zu dem Ergebnis, dass es auf die Dosis der Anwendung ankomme und eine Beeinträchtigung der Bienen nicht ausgeschlossen werden könne.[7] Naturschutzorganisationen werfen dem Hersteller jedoch vor, dass die Wirkungsweise des Flupyradifuron vergleichbar mit den Neonikotinoiden sei und das Nervensystem der Bienen ebenso beeinträchtigt werde.[8]

Da der Absatzmarkt für Pflanzenschutz und Behandlungsmitteln weiterhin dynamisch ist und die regulatorischen Behörden immer auf neue Entwick­lungen von Produzenten und Entwicklern reagieren müssen, ist dieser Bereich auch bei der analytischen Untersuchung von Lebensmitteln ständig in der Weiterentwicklung. Etwa 550 Wirkstoffe sind im Bereich der Lebensmittel­analytik bei der GBA Laborgruppe bereits identifizierbar und quantifizierbar und es kommen immer weitere dazu. Durch die Mitarbeit in Fachgremien und den Informationsaustausch auf Fachveranstaltungen und -tagungen bleiben wir den Entwicklungen auf der Spur und passen unsere Analytik den Anfor­derungen des Marktes ständig an.

Sollten Sie Fragen zu diesem oder anderen Themen der Lebensmittelanalytik haben, dann kontaktieren Sie Ihren persönlichen Kundenbetreuer oder

GBA Gesellschaft für Bioanalytik mbH
Herrn Dr. Roland Bernerth
Tel.: +49 (0)40 797172-0


Literatur:
[1] Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit,
http://www.bvl.bund.de/DE/08_PresseInfothek/01_FuerJournalisten/
01_Presse_und_Hintergrundinformationen/04_Pflanzenschutzmittel/2014/
2014_04_15_hi_Neonikotinoide.html
, Erscheinungsdatum 15.04.2014
[2] Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland, http://www.bund.net/
themen_und_projekte/chemie/pestizide/bienen_und_pestizide/fragen_und_
antworten/#c99457
, Stand 14.09.2015
[3] Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA), http://www.efsa.
europa.eu/de/press/news/150826
, Stand 26. August 2015
[4] Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA), http://www.efsa.
europa.eu/de/press/news/150625b
, Stand 25. Juni 2015
[5] Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit,
http://www.bvl.bund.de/SharedDocs/Downloads/04_Pflanzenschutzmittel/
rechtsgrundlagen/02_national/Pflanzenschutz_Getreidesaatgut_Anwendungs
verordnung.pdf?__blob=publicationFile&v=4
, Stand 20.07.2015
[6] http://www.research.bayer.de/de/25-sivanto.pdfx, Stand 14.09.2015
[7] https://www.pesticideresearch.com/site/?p=12101, Stand 14.09.2015
[8] http://green.wiwo.de/bienensterben-bayer-verspricht-neues-bienen
freundliches-pestizid/
, Stand 14.09.2015

 
 

Screening von Erzeugnissen auf SVHC (REACH)

von Dr. Sven Steinhauer, GBA Laborgruppe

Vorgaben des Verbraucherschutzes
Besonders besorgniserregende Stoffe (SVHC - Substance of Very High Concern) sind Stoffe, die karzinogen, mutagen, reproduktionstoxisch, persistent, bioakkumulativ oder hormonell wirksam sind. Diese müssen nach der REACH-Verordnung ein Zulassungsverfahren durchlaufen und werden anschließend von der ECHA (European Chemicals Agency) offiziell in einer Kandidatenliste veröffentlicht.

Steht ein Stoff auf dieser Kandidatenliste ergeben sich weitreichende Infor­mationspflichten innerhalb der Lieferkette. Hersteller oder Importeure müssen die ECHA unterrichten, wenn in den gehandelten Erzeugnissen ein SVHC mit einem Anteil von mehr als 0,1 % enthalten ist oder insgesamt 1 t/Jahr des Stoffes herstellt oder importiert werden.
Zusätzlich ist der Verbraucher berechtigt vom Händler, Hersteller oder Impor­teur zu erfahren, ob und welche SVHC in einem Erzeugnis enthalten sind. Die Informationspflicht ist unabhängig von einem möglichen Kauf und muss kostenlos innerhalb von 45 Tagen erfolgen.

2009 wurden die ersten 7 Stoffe in die Kandidatenliste als SVHC aufge­nommen. Bis zum 15. Juni 2015 wurde diese bereits auf 163 Stoffe erweitert. Ziel von REACH ist es, die von den SVHC ausgehenden Risiken ausreichend zu bewerten und die Stoffe schrittweise durch geeignete alternative Stoffe oder verbesserte Technologien zu ersetzen. Trotzdem muss davon ausgegangen werden, dass sich die Kandidatenliste weiter verlängert.

Grundsätzlich kann die Informationspflicht vom Produzenten bis hin zum Verbraucher durch Übermittlung der Daten entlang der Lieferkette erfüllt werden. Jedoch entbehrt dies nicht einer stichprobenartigen Überprüfung mittels analytischem Nachweis durch Produzenten oder Händler.

Dieser Nachweis ist technisch verhältnismäßig einfach zu lösen, wenn es sich um einen Stoff in einem Erzeugnis handelt. Wenn es sich jedoch um mehrere Stoffe in einem Stoffgemenge handelt, die z.T. in ihrer Struktur und ihren chemischen Eigenschaften unterschiedlich sind oder sich auch noch gegen­seitig beeinflussen, so kann die Aufgabe zur analytischen Herausforderung werden. Hinzu kommt, dass die Produkte, in denen sich diese Stoffe u.U. befinden, unterschiedliche Matrixeigenschaften besitzen können. Das bedeutet, dass die einzelnen analytischen Schritte ggf. sehr unterschiedlich sind, obwohl nach dem gleichen Analyten gesucht wird. In der Praxis führt dies eventuell zu vielen analytischen Methoden und damit für den Auftrag­geber der Analytik zu einem hohen Kostenfaktor.

Um diesen Umständen Rechnung zu tragen, wurde von der Projektgruppe „REACH-SVHC“ des Deutschen Verbandes unabhängiger Prüflaboratorien (VUP) in einem ersten Schritt eine Leitlinie erarbeitet, die eine Harmonisierung der analytischen Methoden erreichen sollte. Um die Kosten des Verfahrens bewusst gering zu halten, wurde ein Ansatz gewählt, in dem die Anwesenheit der Stoffe oberhalb von 0,05 Massen% halbquantitativ nachgewiesen wird. Bei positivem Befund kann der Nachweis mittels einer spezifischen Methode quantitativ geführt werden. Für den Auftraggeber entsteht somit nur ein erhöhter Untersuchungsaufwand und damit höhere Kosten, wenn sich der Verdachtsfall bestätigt.

Mit dem Leitfaden „Screening von Erzeugnissen gemäß der REACH-Verord­nung auf SVHC“ ist es der VUP-Projektgruppe weitestgehend gelungen, eine einfach umsetzbare analytischen Methode zu entwickeln. In einem weiteren Schritt soll der Leitfaden nun in eine Norm überführt werden.

Die GBA Laborgruppe beteiligt sich in dieser Projektgruppe an der Verfahrens­entwicklung und bietet die Analytik auf SVHC nach dem aktuellen Screening-Verfahren an. Die Mitarbeit in Fachgremien ist Teil der Philosophie der GBA Laborgruppe, um unseren Auftraggebern auf diesem Wege nicht nur Analytik auf dem Stand der jeweils aktuellen Technik bieten zu können, sondern Sie auch immer über die Entwicklungen informieren zu können. Über die weiteren Arbeiten im Normungsprozess werden wir sie in den zukünftigen Ausgaben unseres Newsletters informieren.

Wir stehen zu diesem Thema und anderen Fragestellungen gerne als Ihr Ansprechpartner zur Verfügung. Kontaktieren Sie uns unter: 

GBA Gesellschaft für Bioanalytik mbH
Herr Dr. Sven Steinhauer
Tel.: +49 (0)40 797172-0

 
 

Themenserie Mikrobiologie: Salmonellen

von Mareen Lehmann, GBA Laborgruppe

Salmonellen gehören zur Familie der Enterobacteriaceae. Sie sind peritrich begeißelte, gramnegative Stäbchenbakterien, die sowohl aerob als auch anaerob wachsen können und keine Sporen bilden. Sie sind weltweit verbreitet und gehören zu den wichtigsten bakteriellen Durchfallerregern (Salmonellose) bei Menschen.[1]

In der Umwelt sind Salmonellen z.T. über Wochen und Monate lebens- und infektionsfähig. Bei Temperaturen um den Gefrierpunkt sind sie sehr empfind­lich. Sind sie jedoch für einen längeren Zeitraum der Kälte ausgesetzt, werden sie nur subletal geschädigt. Gegenüber Hitze sind sie normalerweise ebenfalls sehr empfindlich. Bei steigenden Konzentrationen an Fett, Eiweiß und Kohlen­hydraten im Umgebungsmedium sowie zusätzlich bei Lebensmitteln mit niedrigem aw-Wert steigt die Hitzeresistenz signifikant an. Ihr Wachstums­optimum liegt bei 37 °C.[2] Die meisten Salmonellen können Lactose nicht verwerten. Aufgrund ihrer biochemischen und serologischen Eigenschaften lassen sie sich von anderen lactose-negativen Enterobacteriaceae unter­scheiden.[3]

Salmonellen werden in zwei verschiedene Spezies eingeteilt: Salmonella bongori: tritt weltweit sehr selten auf und wurde meist nur bei wechselwarmen Tieren nachgewiesen. Bislang wurden Salmonellosen mit diesem Erreger nur auf Sizilien zugeordnet.[4]

Salmonella enterica: differenziert sich in sechs Subspezies und ist die Spezies mit klinischer und epidemio­logischer Bedeutung. Die einzelnen Unterarten gliedern sich nach dem Antigenschema von KAUFMANN-WHITE weiter in mehr als 2500 Serovare (Stämme mit gleichem Antigen) [3], die teilweise wirtsspezifisch und entsprechend nur z.B. bei Mensch, Rind oder Huhn zu finden sind.[1]

Der Verlauf einer Salmonellose wird unterschieden in die typhöse oder enteritische Form.
S. typhi und S. paratyphi (A, B, C) verursachen eine zyklische Allgemein­infektion mit Infektion, Inkubation und Generalisierung der Erreger im Körper und anschließendem Befall von Organen. Aufgrund der geringen Infektions­dosis erfolgt eine Übertragung von Mensch zu Mensch direkt oder indirekt über kontaminierte Lebensmittel, Wasser oder Gegenstände (z.B. Handtücher, Essgeschirr). Beim Durchlaufen des Zyklus können Symptome wie Fieber, Durchfall und starke Kopfschmerzen sowie eine ausgeprägte Bewusstseins­trübung auftreten, später können befallene Organe wie z.B. Milz, Leber oder Niere entsprechende Entzündungen oder Geschwüre aufzeigen. Besiedeln Salmonellen der genannten Arten die Leber, den Gallenweg oder die Gallen­blase, so können diese dort über Monate, oft auch lebenslang bestehen und kontinuierlich mit dem Stuhl ausgeschieden werden (Dauerausscheider). Zur Eindämmung der Erreger im Körper wird Antibiotika verabreicht.[2] Die „Darm-Entzündung“ (Enteritis) wird durch die meisten anderen Serovare ausgelöst.[1] Salmonella Typhimurium und S. Enteritidis gehören dabei zu den bekanntesten.[2]

Salmonellen kommen im Darmtrakt zahlreicher Tiere vor, z.B. bei Schweinen, Rindern, Kälbern, Geflügel, Wild und Tauben. Hervorzuheben ist dabei, dass die Salmonellen die Tiere nicht unbedingt krank machen müssen und ohne jegliche Symptome ausgeschieden werden.[3] Der Mensch ist häufig das Endglied in der Infektionskette, wobei hauptsächlich tierische Lebensmittel wie rohe Eier und Fleischprodukte die Quelle darstellen. Die Salmonellen-Infektion zählt somit zu den Zoonosen (Krankheiten, die durch Erreger vom Tier auf Mensch übertragen wird).[1] Weitere Eintragswege sind kontaminierte Ab­wässer oder Kot, die pflanzliche Lebensmittel und Futtermittel mit Salmo­nellen belasten können. Eine Übertragung von Mensch zu Mensch ist aufgrund der relativ hohen Infektionsdosis unwahrscheinlich, wiederum ist eine Verbreitung der Salmonellen durch fäkal verunreinigte Hände und Gerät­schaften möglich. Die Gruppe Salmonellen kann eine akute Gastro­enteritis (mit Fieber möglich) auslösen, wobei es zu zahlreichen wässrigen, jedoch nicht blutigen Durch­fällen kommt. Die Beschwerden klingen meist nach wenigen Tagen wieder ab. Häufig zeigen infizierte Personen überhaupt keine oder nur geringe Symp­tome. Allerdings sind Verbraucher­gruppen wie geschwächte und alte Menschen sowie Neugeborene und Säuglinge besonders gefährdet.[2,5]

Aufgrund der hohen Anzahl an Erkrankungen sind Infektionen mit Salmonellen jeglicher Art gemäß Infektionsschutzgesetz meldepflichtig.[1] Weiterhin sind Salmonellen in der Verordnung (EG) Nr. 2073/2005 der EU-Kommission über mikrobiologische Kriterien für Lebensmittel als Lebensmittelsicherheits­kriterium definiert. Dies ist ein Kriterium, mit dem die Akzeptabilität eines Erzeugnisses oder einer Partie Lebensmittel festgelegt wird und das für im Handel befind­liche Erzeugnisse gilt. Demnach dürfen Salmonellen nach einem definierten Probenahmeplan in 25 g bzw. 10 g nicht nachweisbar sein.[3]

Haben Sie weitere Fragen, dann kontaktieren Sie Ihren persönlichen Kundenbetreuer oder

GBA Gesellschaft für Bioanalytik mbH
Frau Heike Schlechte
Tel.: +49 (0)40 797172-0



Literatur:
[1] BfR – Bundesinstitut für Risikobewertung, Bedeutung der Salmonellen als Krankheitserreger, http://www.bfr.bund.de/de/bedeutung_der_salmonellen_als_krankheitserreger-537.html, Stand 06.08.2015
[2] Krämer, J.: Lebensmittelmikrobiologie, 4. neu bearbeitete Auflage, Verlag Eugen Ulmer GmbH & Co., Stuttgart (Hohenheim), 2002
[3] Baumgart, J., Becker, B., Stephan, R.: Mikrobiologische Untersuchung von Lebensmitteln, 66. Aktualisierungs-Lieferung, Behr´s Verlag GmbH Co.KG, Hamburg, 2014
[4] Eurosurveillance, Volume 4, Issue 9, 01 September 1999, http://www.eurosurveillance.org/ViewArticle.aspx?ArticleId=67
[5] Stephan, R.; Lehner, A.; Zweifel, C.; Hächler, H.: Pathogene Mikroorganismen Non-typhöse Salmonellen, 1. Auflage, Behr´s Verlag GmbH Co.KG, Hamburg, 2014

 
 

CPhI in Madrid vom 13. bis 15. Oktober 2015

von Sabine Nest, GBA Laborgruppe

Auch in diesem Jahr nimmt die GBA Laborgruppe wieder an der CPhI, der Weltleitmesse im Pharma-Bereich, teil. Besuchen Sie uns in Madrid in Halle 3 am Stand H71 und informieren Sie sich über das breite Dienstleistungs­portfolio unserer Pharmalabore in Gräfelfing, Martinsried und Neu-Ulm (LPU, Phytos).

Die CPhI behauptet sich immer stärker als "best place to network with the global pharmaceutical community". 2014 zählte die Messe mehr als 36.000 Fachbesucher und 2500 Aussteller aus über 150 Ländern.

Schreiben Sie uns für weitere Informationen sowie eine Terminvereinbarung vor Ort gerne eine E-Mail an .

Unser Messeteam steht Ihnen mit folgenden Ansprechpartnern zur Verfügung:

•   Frau Ines Kipar, LPU Labor für Pharma- und Umweltanalytik GmbH
•   Herr Stefan Woidich, Phytos Labor für Analytik von Arzneimitteln
    GmbH & Co. KG
•   Dr. Andreas Hofmann, Phytos Labor für Analytik von Arzneimitteln
    GmbH & Co. KG. 


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