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Newsletter

Juni 2017

• Entsorgung HBCD-haltiger Abfälle - neuer
   Verordnungsbeschluss
• Aluminium in Lebensmitteln
• Themenserie Umweltkontaminanten: PAK

• Themenserie Mykotoxine: Fumonisine

 

Liebe Leserinnen & Leser,

mit unserem Juni Newsletter verabschieden wir uns bis August in die Sommerpause. Wir stehen Ihnen aber weiterhin sehr gerne jederzeit mit Rat und Tat zur Seite. Sollten Sie Fragen oder Anre­gungen für uns haben, schreiben Sie bitte an .

Viel Spaß beim Lesen!
Ihre GBA Laborgruppe

 
 

Entsorgung HBCD-haltiger Abfälle – neuer Verordnungsentwurf

von Dr. Sven Steinhauer, GBA Laborgruppe

Das Bundeskabinett hat am 7. Juni 2017 die "Verordnung zur Überwachung von nicht gefährlichen Abfällen mit persistenten organischen Schadstoffen (POP) und zur Änderung der Abfallverzeichnis-Verordnung (AVV)" beschlossen.[2,3] Bereits in den letzten zehn Monaten haben wir in unseren News­lettern über das Verbot von Produktion und Inverkehrbringen von Produkten berichtet, wenn deren Flammschutzmittelgehalt an Hexabromcyclododecan (HBCD) den Wert von 100 mg/kg überschreiten sollte (Newsletter September 2016). Zusätzlich sollten Materialien mit Gehalten über 1.000 mg/kg ab dem 30. September 2016 nicht mehr recycelt werden dürfen, sie sollten stattdessen durch thermische Behandlung in Hausmüllverbrennungs­anlagen zerstört werden (Zerstörungsgebot gemäß Art. 7 (2) der POP-Ver­ordnung (EG) Nr. 850/2004).
Die sich daraus ergebenden Entsorgungsengpässe und überhöhten Ent­sorgungspreise führten schlussendlich zu einem Aussetzen der entsprechen­den Regelung (Newsletter Januar 2017). Zur Lösung des Problems wurde ein einjähriger Aufschub, ein sogenanntes  Moratorium, bis zum 31. Dezember 2017 beschlossen, in dem Bund und Länder den nun vorliegenden Verord­nungsentwurf erarbeitet haben.

Inhalt der Verordnung:
• Die in Artikel 1 enthaltene POP-Abfall-Überwachungs-Verordnung legt für bestimmte, zwar nicht als gefährlicher Abfall einzustufende, aber trotzdem überwachungsbedürftige POP-haltige Abfälle, zum einen ein Getrennt­sammlungsgebot sowie ein Vermischungsverbot fest. Zum anderen wer­den hierin die Anforderungen an den Nachweis der ordnungsgemäßen und schad­losen Verwertung oder umweltverträglichen Beseitigung vermerkt. Sowohl das Getrenntsammlungsgebot und das Vermischungsverbot als auch die Nach­weis- und Registerpflichten orientieren sich am Kreislaufwirtschaftsgesetz.

• Die in Artikel 2 enthaltene Änderung der AVV begrenzt im Sinne einer "eins zu eins"- Umsetzung des einschlägigen EU-Rechts die Einstufung von POP-hal­tigen Abfällen als gefährliche Abfälle auf diejenigen Abfälle, die die 16 POP enthalten, die nach dem Beschluss der Kommission 2014/955/EU über ein Ab­fallverzeichnis als gefährlicher Abfall einzustufen sind, sobald sie einen POP-Gehalt oberhalb der Konzentrationsgrenzwerte des Anhangs IV der EU-POP-Verordnung aufweisen.

• Als Konsequenz aus den in Artikel 1 und 2 getroffenen Regelungen hebt Artikel 3 die  Änderung der  AVV (Ende des Moratoriums) vor ihrem Inkraft­treten am 1. Januar 2018 auf. In Bezug auf HBCD-haltige Abfälle wird das Moratorium, das zu einer deutlichen Entspannung bei der Entsorgung dieser Abfälle geführt hat, damit zum Dauerzustand.[1]

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass durch die neue Verordnung  einer­seits sichergestellt wird, dass POP-haltige Abfälle unabhängig von ihrer Ein­stufung als gefährlicher oder nicht gefährlicher Abfall in vergleichbarem Maße getrennt gesammelt werden müssen. Andererseits dürfen diese wie bisher in entsprechenden Entsorgungsanlagen vermischt werden. Die Entsorgung darf somit zusammen mit anderen Abfällen erfolgen, der Weg dorthin muss jedoch klar und deutlich nachgewiesen werden. Durch diese Nachweis- und Register­pflicht können die Ab­fallbehörden der Länder den Entsorgungsweg dieser Ab­fälle stringent überwachen.[3]

Die Verordnung muss nur noch vom Bundesrat verabschiedet werden.
Die Bundesumweltministerin Barbara Hendricks ist hierbei positiv gestimmt und sagt: "Die Verordnung führt zu einer dauerhaften Lösung. Wir schaffen die Grund­lage dafür, dass die Entsorgungspreise gerade für Dämmstoffe mit HBCD langfristig stabil bleiben. Gleichzeitig ist garantiert, dass solche und andere Ab­fälle, die POP enthalten, dauerhaft sicher und umweltverträglich entsorgt wer­den und dies auch gründlich überwacht werden kann. Ich bin daher zuversicht­lich, dass die Länder der Verordnung im Bundesrat zustimmen werden und sie noch im Sommer dieses Jahres in Kraft treten kann."[3]

Die GBA Laborgruppe wird weiter für Sie verfolgen, ob die Verordnung noch vor Ablauf der Legislaturperiode den Bundesrat passiert und damit in Kraft treten kann. Sollten Sie Fragen zu diesem oder einem anderen Thema haben, stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung.

GBA Gesellschaft für Bioanalytik mbH
Herrn Jens Sörensen
Tel.: +49 (0)4101 / 79 46-0

 

Literatur:
[1] www.bmub.bund.de/themen/wasser-abfall-boden/abfallwirtschaft/wasser-abfallwirtschaft-download/artikel/verordnung-zur-ueberwachung-von-nicht-gefaehrlichen-abfaellen-mit-persistenten-organischen-schadstoffen-und-zur-aenderung-der-abfallverzeichnis-verord/, Stand 14.06.2017
[2] www.bmub.bund.de/fileadmin/Daten_BMU/Download_PDF/Abfallwirtschaft/
pop_abf_ueberwv_entwurf_bf.pdf
, Stand 14.06.2017
 [3] www.bmub.bund.de/pressemitteilung/langfristige-regeln-fuer-die-entsorgung-hbcd-haltiger-abfaelle, Stand 14.06.2017

 
 

Aluminium in Lebensmitteln

von Mareen Lehmann, GBA Laborgruppe

Aluminium (Al) ist ein Leichtmetall, das ubiquitär vorhanden das dritthäu­figste Element der Erdkruste bildet. Weiterhin wird es durch industrielle Pro­zesse oder Oxidation von Alumiumbauteilen in die Umwelt freigesetzt. Der Mensch nimmt Aluminium über Lebensmittel und Trinkwasser, aber auch über aluminiumhal­tige Verbraucherprodukte wie Geschirr oder Lebensmittelver­packungen, kos­metische Mittel (Al-haltige Antitranspirantien) oder Arzneimittel in den Körper auf.[1]

Unter Einfluss von Säure oder Salz ist Aluminium löslich. Aus diesem Grund werden Verpackungen und Behälter für Lebensmittel wie Getränkedosen, Joghurtbecherdeckel oder Aluminiumtanks für Fruchtsäfte auf der Innenseite beschichtet, um einen Übergang von Aluminiumionen auf das Lebensmittel zu verhindern. Entscheidend ist nicht das Vorhandensein von Aluminium in ver­brauchernahen Produkten, sondern vielmehr wie viel Aluminium aus den Pro­dukten in das Lebensmittel und damit in den Körper übergehen.[1]

Im Rahmen des Forschungsvorhabens „Ausmaß der Freisetzung von Metallen aus Lebensmittelkontaktmaterialien“ hat das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) die Freisetzung von Aluminiumionen aus unbeschichteten Aluminium­menüschalen in Prüflebensmitteln unter den Bedingungen des Cook & Chill-Verfahrens einschließlich einer anschließenden Warmhaltephase untersucht. Dieses Verfahren der Gemeinschaftsverpflegung kommt z. B. in Kindertages­stätten, Schulen, Betrieben, Seniorenheimen und bei der Außer-Haus-Verpfle­gung zum Einsatz. Das Cook & Chill-Verfahren umfasst die Prozessschritte Heißabfüllung, Schnellabkühlen, Kühllagern und Wiedererhitzen sowie der sich anschließenden Warmhaltephase.[2] Die Ergebnisse zeigen, dass der vom Ex­pertenkomitee des Europarates für Lebensmittelkontaktmateri­alien abgeleitete Freisetzungsgrenzwert (SRL) von 5 mg Aluminium/kg Lebensmittel/Lebens­mittelsimulanz unter den Bedingungen des Cook & Chill-Verfahrens in den Prüflebensmitteln [Sauerkrautsaft, Apfelmus (1+1 verdünnt), passierte Tomaten] bei den untersuchten Schalen in den ersten vier Prozessschritten (Heißab­füllung, Schnellabkühlen, Kühllagern, Wiedererhitzen) im Wesentlichen einge­halten wird. Es gab nur eine Überschreitung bei Sauerkrautsaft in einer der zweigeteilten Menüschalen. Sehr deutliche Überschreitungen des SRL ergaben sich dagegen nach anschließender Warmhaltephase (2 Stunden bei >65 °C): In allen Menüschalen wurden mit den Prüflebensmitteln Übergänge von Alumini­umionen gemessen, die das zwei- bis sechsfache des SRL betrugen. Der SRL ist nicht gesundheitlich begründet, sondern stellt den Wert dar, der als vernünf­tigerweise erreichbar betrachtet wird (As Low As Reasonably Achievable, ALARA). Nach einer Abschätzung der Europäischen Behörde für Lebensmittel­sicherheit (EFSA) aus dem Jahr 2008 wird die von der EFSA abgeleitete wöchent­lich duldbare orale Aufnahmemenge (TWI-Wert) von 1 mg Al/kg Kör­pergewicht von einem signifikanten Teil der europäischen Bevölkerung über­schritten. Durch das Warmhalten von Speisen in unbeschichteten Aluminium­menüschalen im Anschluss an das Cook & Chill-Verfahren kann es zu einer zusätzlichen Erhöhung des Aluminiumgehalts in den Lebensmitteln kommen.[3]

Das BfR empfiehlt deshalb die Verwendung von beschichteten Aluminium­schalen beim Cook & Chill-Verfahren bzw. Verwendung von Menüschalen, die aus anderen Materialien bestehen, um die Al-Aufnahme zu vermeiden. Insbe­sondere für empfindliche Verbrauchergruppen wie Kinder oder Senioren, die ggf. täglich warmgehaltene Speisen verzehren, ist dies aus Sicht des BfR empfehlenswert.[1]

Ein Großteil des aufgenommenen Aluminiums wird bei gesunden Menschen über die Niere ausgeschieden. Nicht ausgeschiedenes Aluminium kann sich im Laufe des Lebens vor allem in der Lunge und dem Skelettsystem anreichern. Bei der Betrachtung des Gefährdungspotenzials stehen darüber hinaus Wirkun­gen auf das Nervensystem, auf die Fruchtbarkeit und das un­geborene Leben sowie Effekte auf die Knochenentwicklung im Vordergrund.[2]

Die GBA Laborgruppe hat seit Jahren die Untersuchung von Aluminium in Lebensmittelprodukten sowie verbrauchernahen Produkten in ihrem Portfolio und kann Sie zusätzlich umfassend zu diesem Thema beraten. Bei Fragen kontaktieren Sie Ihren persönlichen Kundenbetreuer oder

GBA Gesellschaft für Bioanalytik mbH
Frau Mareen Lehmann
Tel.: +49 (0)40 797172-0

 

Literatur:
[1] bfr.bund.de/de/fragen_und_antworten_zu_aluminium_in_lebensmitteln_und_ verbrauchernahen_produkten-189498.html, Stand 10.06.2017
[2] bfr.bund.de/de/presseinformation/2017/21/ bfr_forschung__nachweis_des_uebergangs_von_aluminium_aus _menueschalen_in_lebensmittel-200871.html, Stand 10.06.2017
[3] bfr.bund.de/cm/343/unbeschichtete-aluminium-menueschalen-erste -forschungsergebnisse-zeigen-hohe-freisetzung-von-aluminiumionen.pdf, Stand 10.06.2017

 
 

Themenserie Umweltkontaminanten: Polycyklische Aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK)

von Dr. Sven Steinhauer, GBA Laborgruppe

Polycyklische Aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) stehen für Verbindungen, die aus zwei bis sieben Ringen aus Kohlen- und Wasserstoffatomen aufgebaut sind. Als Beispiel die Abbildung Benzo[a]pyren.

Die Stoffgruppe ist mit geschätzten 10.000 Verbindungen sehr groß. Die einzel­nen Verbindungen haben häufig sehr ähnliche Eigenschaften. Grundsätzlich sind die PAK lipophil. Diese Eigenschaft ist mit zunehmender Anzahl von Rin­gen stärker ausgeprägt. Nicht alle Substanzen können gleichzeitig analysiert werden, weshalb von der US Umweltbehörde (EPA) im Jahre 1977 16 PAK in die Liste der so genannten prioritären Schadstoffe des US-Clean Water Acts aufgenommen wurden. Diese 16 PAK decken ein breites Spektrum der mög­lichen Strukturen ab, sind sehr giftig, leicht chemisch nachzuweisen und wurden häufig in PAK-Gemischen gefunden. Das o.g. Benzo[a]pyren dient dabei als Leitsubstanz.

PAK werden nicht gezielt für ausgewählte Produkte oder Prozesse hergestellt, sondern entstehen bei der unvollständigen Verbrennung von organischem Material wie Holz, Kohle oder Öl. Waldbrände oder Vulkanausbrüche bilden dabei natürliche Quellen. Heute stammen PAK hauptsächlich aus der Ver­brennung von organischem Material zur Strom- und Wärmeerzeugung. Weiter­hin sind PAK natürlicher Bestandteil von Kohle und Erdöl. Erdöl enthält zwi­schen 0,2 und 7% PAK.[1] Es gilt grundsätzlich je niedriger die Temperatur des Feuers und je weniger Sauerstoff zur Verfügung steht, desto mehr PAK entste­hen. Da die meisten Verbrennungsprozesse nicht vollständig kontrolliert wer­den, ist die Zusammensetzung der PAK variabel.

PAK haften an Staub- oder Rußpartikeln und gelangen so über weite Strecken in der Atmosphäre und verteilen sich weltweit. Durch Regen, Nebel oder Schnee gelangen die PAK-haltigen Stäube wieder zur Erdoberfläche, lagern sich auf dem Boden ab oder gelangen in das Oberflächenwasser. Allein im Jahr 2004 wurden weltweit ca. 530.000 Tonnen (t) der 16 EPA-PAK in die Luft aus­gestoßen. Spitzenreiter ist China mit 114.000 t, gefolgt von Indien mit 90.000 t und den USA mit 32.000 t. [2] In Deutschland wurden 2010 von den vier PAK Benzo[a]pyren, Benzo[b]fluoranthen, Benzo[k]fluoranthen und Indeno[1,2,3-cd]pyren 191,5 Tonnen in die Luft emittiert. [3] Dabei entfielen nur knapp 1% auf Groß­feuerungsanlagen und den Verkehr. Der Großteil (ca. 93 %) wurde von kleinen und mittleren Feuerungen in Haushalten und im Gewerbe emittiert. Die rest­lichen 5 % stammen aus Industrieprozessen.

Für Mensch und Umwelt sind PAK eine besorgniserregende Stoffgruppe, die gleichzeitig persistent, bioakkumulierend und toxisch ist. Viele PAK haben krebserregende, erbgutverändernde und/oder fortpflanzungsgefährdende Eigenschaften. [4]

PAK finden sich in klassischen Verbraucherprodukten (Werkzeug- und Fahr­radgriffe, Schuhe oder Sportartikel). Hier sind es Weichmacheröle (Teeröl), die die gewünschte Elastizität erzielen sollen. In der Regel sind die PAK-haltigen Weichmacheröle sehr preiswert, wodurch Produkte aus dem Billig- und Import­segment häufiger PAK belastet sind als Produkte mit teuren, PAK-reduzierten Weich­macherölen. Die PAK lassen sich nicht einfach am Aussehen erkennen und auch einen echten Schnelltest auf PAK-belastete Produkte gibt es nicht. Ein Hinweis ist jedoch ein starker, ölartiger, leicht chemischer Geruch. Einige Produkte verströmen diesen Geruch noch lange nach dem Erwerb.

Bis zum Jahr 2009 wurden PAK-haltige Weichmacheröle auch in Autoreifen eingesetzt. Seit dem 1. Januar 2010 gilt jedoch ein EU-weiter Grenzwert (1 mg/ kg Benzo[a]pyren oder an PAK mehr als 10 mg/kg) für PAK-haltige Weich­macheröle in Autoreifen. Dieser wurde durch eine Beschränkung in der Euro­päischen Chemikalienverordnung REACH (Verordnung (EG) Nr. 1907/2006) eingeführt. Ziel ist die Luftbelastung mit PAK-haltigen Stäuben durch Abrieb zu verringern.

In den „alten“ Bundesländern wurde bis 1970, in den „neuen“ Bundesländern bis 1990 Asphalt mit PAK-haltigem Teer als Straßenbaustoff hergestellt. Der Teer wurde bei der Kohleverarbeitung gewonnen. Inzwischen werden Bitumen als Bindemittel für die verwendeten Mineralien genutzt, die bei der Rohöl-Raffinierung entstehen und geringere Mengen an PAK enthalten. Zusätzlich fanden und finden noch immer Teerpappen Einsatz beim Versiegeln von Dächern, wobei der Einsatz seit den 1980ern deutlich zurück ging.

Es bestehen zahlreiche gesetzliche Einzelregelungen zur Begrenzung von PAK in bestimmten Produkten und in der Umwelt, sowie Vorgaben für bestimmte technische Verfahren, um die PAK Emissionen zu begrenzen. Die EU-Chemi­kalienverordnung REACH z.B. regelt u. a. die Handhabung von PAK. Danach dürfen krebserzeugende, erbgutverändernde oder fortpflanzungsgefährdende Stoffe (CMR-Stoffe) nicht an den Endverbraucher abgegeben werden. Acht der EPA-PAK wurden als CMR-Stoffe eingestuft. Die Verordnung bezieht sich aber nur auf Stoffe oder Gemische und nicht auf Erzeugnisse, wie z. B. Spielzeuge oder Schuhe. Aufgrund einer deutschen Initiative wurde erreicht, dass PAK in Ver­brauchererzeugnissen europaweit beschränkt wurden. Die Ergänzung der REACH-Verordnung trat am 27.12.2013 in Kraft. Damit sind Erzeugnisse mit einem Gehalt von mehr als 1 mg/kg eines der acht krebserregenden PAK ab dem 27.12.2015 verboten. Für Spielzeug und Babyartikel gilt der Grenzwert 0,5 mg/kg.

Für die Umweltmedien Luft, Boden und Wasser regelt die Verordnung (EG) Nr. 850/2004 über persistente organische Schadstoffe die Einträge von PAK. [5] Zusätzlich wird in Richtlinie 2004/107/EG für Arsen, Kadmium, Quecksilber, Nickel und polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe in der Luft ein Ziel­wert festgelegt.[6]

Die Bundes-Bodenschutz- und Altlastenverordnung (BBodSchV, 12. Juli 1999) legt jeweils drei Werte zum Schutz der Böden vor Verunreinigungen fest: Vor­sorge-, Prüf- und Maßnahmenwerte für die Summe der 16 EPA-PAK, Benzo(a)pyren und Naphthalin.

Die EG-Wasserrahmenrichtlinie (WRRL, RL 2000/60/ EG (2000)) benennt in Anhang X „prioritäre Stoffe“, darunter acht PAK für die europaweit Umwelt­qualitätsnormen gelten. Die Umweltqualitätsnorm für Benzo[a]pyren beträgt 0,05 µg/l als Jahresdurchschnittswert. Darüber hinaus sind die PAK als „prioritär gefährliche Stoffe“ eingestuft. Diese sollen ab einen noch festzu­legenden Zeit­punkt nicht mehr eingetragen werden dürfen.

Bei der Verwendung von Klärschlamm in der Landwirtschaft existiert in Deutsch­land kein Grenzwert für PAK. Aktuell befindet sich allerdings eine Novelle der Klärschlammverordnung in Vorbereitung, die einen Grenzwert für Benzo[a]pyren von einem Milligramm pro Kilogramm Klärschlamm vorsieht. Dieser Wert entspräche dem Wert der Bundes-Bodenschutz- und Altlasten­verordnung.

Weitere Richtlinien finden sich im Hintergrundpapier des Umweltbundesamtes.[7] Die GBA Laborgruppe hat die Untersuchung von PAK sowohl im Feststoff, im Wasser sowie in der Luft seit Jahren etabliert und arbeitet mit den neuesten Geräten und Aufarbeitungsmethoden. Auch spezielle Untersuchungen in orga­nischen Matrices (Biota) oder die Resorptionsverfügbarkeit von Benzo(a)pyren gehören zum Untersuchungsspektrum. Neue Entwicklungen im Feld der Um­weltkontaminanten werden stetig beobachtet. Die Liste der bei der GBA unter­suchten Analyten in den verschiedenen Aufgabengebieten Umwelt und Lebens­mittel wird entsprechend der neuen und wachsenden Anforderungen ständig aktualisiert und weiter ausgebaut, um auch hier für Sie als kompetenter An­sprechpartner zur Verfügung zu stehen. Sollten Sie Fragen zu diesem oder einem anderen Thema haben, stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung.

GBA Gesellschaft für Bioanalytik mbH
Herr Dr. Peter Ludwig
Tel.: +49 (0)4101 / 79 46-0

 

Literatur:
[1] National Research Council. 2003. Oil in the Sea III: Inputs, Fates, and Effects
[4] Crone TJ, Tolstoy M. 2010 Oct. Magnitude of the 2010 Gulf of Mexico oil leak. Science 330(6004):634
[2] Zhang Y, Tao S. 2009. Global atmospheric emission inventory of polycyclic aromatic hydrocarbons (PAHs) for 2004. Atmospheric Environment 43:812-81
[3] www.umweltbundesamt.de/themen/luft/emissionen-von-luftschadstoffen, Stand 11.06.2017
[5] eur-lex.europa.eu/LexUriServ/LexUriServ.do?uri=OJ:L:2004:158:0007:0049:DE:PDF, Stand 11.06.2017
[6] eur-lex.europa.eu/LexUriServ/LexUriServ.do?uri=OJ:L:2005:023:0003:0016:DE:PDF, Stand 11.06.2017
[7] www.umweltbundesamt.de/publikationen/polyzyklische-aromatische-kohlenwasserstoffe, Stand 11.06.2017

 
 

Themenserie Mykotoxine: Fumonisine

von Julia Bartels, GBA Laborgruppe

Fumonisine sind Mykotoxine, die von verschiedenen Fusarienpilzen gebildet werden, primär von Fusarium verticilloides (früher auch Fusarium monilliforme genannt) und Fusarium proliferatum. Die Fusarienpilze sind ubiquitär verbreitet und besiedeln in der Regel lebende Pflanzen auf Feldern, weshalb sie auch als Feldpilze bezeichnet werden. Es ist jedoch nicht auszuschließen, dass sich diese Schimmelpilze unter günstigen Bedingungen ebenfalls in einem Waren­lager ausbreiten können. Um eine Fumonisinkontamination durch den Pilz in einem Lager zu vermeiden, wird empfohlen, das Erntegut mit einem maximalen Wassergehalt von 14 % einzulagern. Hierfür muss ggf. vor der Einlagerung eine Trocknung des Ernteguts stattfinden, um die Ausbreitung einer Fusarien- bzw. einer Fumonisininfektion weiter minimieren zu können. Von dem Fumonisinbe­fall sind am häufigsten Maiskörner sowie Lebens- und Futtermittel auf Maisba­sis betroffen, zusätzlich lässt sich auch eine Kontamination in Reis und Ge­treide beobachten. Die befallenen Körner können hierbei eine rosa bis weinrote Farbe annehmen.[1]

Seit der Entdeckung der Fumonisine im Jahr 1988 wurde aufgrund ihrer Gif­tigkeit und ihres weltweiten Vorkommens viel Zeit und Aufwand in Ihre Erfor­schung investiert. Es sind insgesamt sechs Arten von Fumonisinen bekannt. Es wird hierbei zwischen den einzelnen Typen B1 bis B4 sowie zwischen FA1 und FA2 differenziert, wobei sich die sechs Verbindungen in ihrer chemischen Struk­tur nur geringfügig voneinander unterscheiden. Für den Menschen sind die Ty­pen B1, B2 und B3 von zentraler Bedeutung, da sich nur diese in verschimmel­ten Lebens- und Futtermitteln vorfinden lassen.[1] In einer EU-weiten gemein­samen Studie wurde herausgefunden, dass 46 % aller Getreideproben mit Fumonisin B1, 42 % mit Fumonisin B2 und 36 % mit Fumonisin B3 kontaminiert waren. Beim Mais waren es sogar 66 % der Proben, die eine Belastung mit Fumonisin B1 aufwiesen.[2] Von allen Fumonisinen stellt der Typ B1 die am häufigsten vorkommende und giftigste Verbindung dar, wobei die toxikologische Wirkung von den anderen Fumonisinen ebenfalls nicht zu vernachlässigen ist. Es wurde beobachtet, dass bei Pferden der Verzehr von kontaminierten Futter­mitteln zu tödlichen Gehirnerkrankungen und bei Schweinen zur Wasserbildung in der Lunge führt. Es wurde auch schon über eine krebserzeugende Wirkung beim Menschen diskutiert. Die kanzerogene Wirkung in Form von Speiseröh­renkrebs wurde insbesondere bei den Menschen festgestellt, die vermehrt hochkontaminierten Mais zu sich nahmen.[1] Laut der Internationalen Agentur für Krebsforschung (International Agency for Research in Cancer, IARC) liegen jedoch noch keine ausreichenden Hinweise für eine kanzerogene Wirkung beim Menschen vor, weshalb die Fumonisine als möglicherweise krebserzeugend (Gruppe 2B) für den Menschen gelten.[3,4] Vor diesem Hintergrund wurde von dem Wissenschaftlichen Lebensmittelausschuss der Europäischen Union (Scientific Committee on Food, SCF) eine tägliche tolerierbare Aufnahme (TDI) festgelegt, um den Menschen vor möglichen Risiken zu schützen. Der TDI liegt für das Fumonisin B1 allein und für die Summe aus Fumonisin B1, B2 und B3 bei 2 µg/kg Körpergewicht. Unter der Zunahme dieses Wertes wurde geschaut, wie hoch der TDI von der europäischen Bevölkerung in der Regel ausgeschöpft wird. Aus der Untersuchung resultierte, dass in keinem europäischen Land der TDI erreicht worden ist, nur in zwei Ländern (Italien und Norwegen) wurde der Wert von 2 µg/kg Körpergewicht zu ungefähr einem Viertel ausgeschöpft. Bei der Untersuchung wurden ebenfalls die durchschnittliche Belastung und die durchschnittliche Verzehrmenge eines bestimmten Lebensmittels betrachtet. Anhand dessen konnte abgeschätzt werden, durch welche Lebensmittel der Haupteintrag von Fumonisinen in die Nahrung zustande kommt. Auch hier wurde bestätigt, dass der Eintrag von Fumonisin B1, B2 und B3 überwiegend durch Mais und Weizen sowie aus deren Erzeugnissen erfolgt.[5]

Trotz der geringen Ausschöpfung des TDI gilt für die Fumonisine wie auch für andere Mykotoxine, dass deren Gehalt aufgrund der toxikologischen Relevanz grundsätzlich so niedrig gehalten werden sollte, wie es die Herstellung und die Verarbeitung technologisch zulässt (ALARA-Prinzip). Zusätzlich sind im Bereich der Lebensmittel die gesetzlich zugelassenen Höchstwerte für Fumonisin B1 und Fumonisin B2 in der Verordnung (EG) Nr. 1881/2006 geregelt.[6] Im Be­reich der Futtermittel liegen für die Fumonisine keine gesetzlichen Höchstwerte, sondern nur von der Kommission empfohlene Richtwerte (2006/576/EG) vor.[7]

Die GBA Laborgruppe hat die Analytik von Fumonisinen bereits seit Jahren im Portfolio der Untersuchungsmethoden etabliert. Sollten Sie Fragen zu diesem oder einem anderen Thema haben, dann kontaktieren Sie bitte Ihren Ansprech­partner bei der GBA Laborgruppe oder

GBA Gesellschaft für Bioanalytik mbH
Frau Johanna Middelstaedt
Tel.: +49 (0)40 797172-0

 

Literatur:
[1] www.lgl.bayern.de/lebensmittel/chemie/schimmelpilzgifte/trichothecene/ fumonisine.htm, Stand 10.06.2017
[2] ec.europa.eu/food/sites/food/files/safety/docs/ cs_contaminants_catalogue_fusarium_task3210.pdf, Stand 10.06.2017
[3] monographs.iarc.fr/ENG/Monographs/vol56/mono56-15.pdf, Stand 10.06.2017
[4] monographs.iarc.fr/ENG/Monographs/vol82/mono82-7B.pdf, Stand 10.06.2017
[5] www.ec.europa.eu/food/sites/food/files/safety/docs/sci-com_scf_out185_en.pdf, Stand 10.06.2017
[6] www.eur-lex.europa.eu/LexUriServ/LexUriServ.do?uri=CONSLEG:2006R1881:20100701:DE:PDF, Stand 10.06.2017
[7] www.eur-lex.europa.eu/LexUriServ/LexUriServ.do?uri=OJ:L:2006:229:0007:0009:DE:PDF, Stand vom 10.06.2017


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