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Newsletter

Mai 2015

•  Vermeidung von Antibiotikaresistenzen
•  Perchlorat und Chlorat im Überblick
•  Insektizide in Gewässern
•  Themenserie Mikrobiologie: Schimmelpilze

 

Liebe Leserinnen & Leser,

unser Mai-Newsletter hat es in sich! Mit 4 spannenden und aktuellen Fachthemen informieren wir Sie zu verschiedenen Bereichen der Lebensmittel- und Umweltanalytik. Sehr gerne stehen wir Ihnen dazu jederzeit mit Rat und Tat zur Verfügung. 

Viel Spaß beim Lesen!
Ihre GBA Laborgruppe

 
 

Maßnahmen zur Vermeidung von Antibiotikaresistenzen

von Dr. Sven Steinhauer, GBA Laborgruppe

Die Anwendung von Arzneimitteln ist bislang für die menschliche und tierische Gesundheit ohne Alternative. Eingesetzte Breitband-Antibiotika treffen dabei nicht nur den Zielkeim. Jeder Einsatz von Antibiotika fördert das Risiko der Ausbreitung von Resistenzen. Der teilweise unkritische Umgang mit Arznei­mitteln sowohl im humanen als auch im veterinären Bereich führt zunehmend zu einer Belastung der Umwelt. Zwar stellen die gefundenen Spuren in den Gewässern nach heutigem Wissensstand kein direktes Risiko für die menschliche Gesundheit dar, dennoch sollten Anstrengungen zum lang­fristigen Schutz der Böden und Gewässer unternommen werden, um den Eintrag möglichst gering zu halten. Eine breite Verteilung von Antibiotika in der Umwelt sorgt dafür, dass Keime und Krankheitserreger mutieren und gegen die Antibiotika resistent werden. Eine Wirkung bei Verabreichen im Krankheitsfall bleibt dann für den Menschen aus und es kann zu ernsthaften Konsequenzen führen.

Welche Mengen an Wirkstoffen im Bereich der Veterinärmedizin verabreicht werden, haben wir bereits im Newsletter NL 14-8 aus dem April 2014 beschrieben. Im Bereich der Humanmedizin werden rund 1.200 Wirkstoffe mit einer möglichen Relevanz für die Umwelt verwendet. Der Verbrauch lag im Jahr 2012 in Deutschland bei insgesamt 8.120 t. Im Jahr 2002 lag der Verbrauch noch bei 6.200 t, was einen Anstieg um mehr als 30% in 10 Jahren bedeutet. Der Anteil der Antibiotika lag dabei im Jahr 2013 bei 630 t.[1] Aufgrund der demographischen Entwicklung in den kommenden Jahren ist mit einem weiteren Anstieg des Verbrauchs zu rechnen.

Nach der Einnahme der Medikation werden die Stoffe über die Verdauungs­wege des Körpers (Leber, Nieren, Darm) als ursprünglicher Stoff und/oder dessen Metaboliten ausgeschieden und gelangen so über die Abwassernetze und Kläranlagen in die Umwelt. Nur durch die Zusammenarbeit von Pharma­industrie, Ärzten, Tierärzten, Apothekern, Patienten und den Fleischprodu­zenten kann der übermäßige Einsatz dieser Stoffe reduziert werden. Forschung und Abwasserbetriebe sind auf der anderen Seite gefordert, die Technologie einer 4. Reinigungsstufe einzuführen, um Arzneimittelrückstände und deren Metaboliten noch innerhalb der Kläranlagen zu reduzieren oder vollständig zu eliminieren, so dass diese nicht mehr über den Vorfluter in die Umwelt gelangen können.

Wo genau kann aber die Verringerung der Stoffmengen beginnen? Neben dem sensiblen Umgang mit Arzneimitteln in Human- und Veterinärmedizin können geordnete Entsorgungswege für nicht verwendete Arzneimittel zu einer Reduktion führen.

Die 16. Novelle des Arzneimittelgesetzes soll dazu beitragen, die Abgabe von Wirkstoffen an die Tiere zu beobachten und langfristig zu reduzieren. Die Rückstände von Tierarzneimitteln sind hauptsächlich im Dung und der Gülle nachzuweisen. Als Wirtschaftsdünger eingesetzt, erreichen die Rückstände über den Boden die Oberflächen- und Grundwässer. Untersuchungen des Grundwassers im Einzugsgebiet von mit Wirtschaftsdünger behandelten Feldern zeigen deutliche Antibiotikabefunde.[2,3]

Das Bundesministerium für Gesundheit (BMG) hat dazu die deutsche Antibiotika-Resistenzstrategie (DART) erarbeitet, mit dem Ziel der Reduzierung und Verminderung der Verbreitung von Antibiotika-Resistenzen.[4]
Neben den Anstrengungen den Eintrag von Antibiotika zu reduzieren, und einem hygienischen Umgang muss jedoch das Hauptaugenmerk auf dem Schutz unserer Wasserressourcen liegen, da dort die größten Mengen an Wirkstoffen und Transformationsprodukten eingetragen werden. Es gelten für Trinkwassergewinnungsgebiete und deren Gewässer die Prinzipien der Vorsorge und der Vorbeugung.[5]

Die Europäische Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) bildet dabei die rechtliche Grundlage. In Verbindung mit ihrer Tochterrichtlinie über prioritäre Stoffe im Bereich der Wasserpolitik und der nationalen Verordnung zum Schutz der Oberflächengewässer (OGewV) bilden sie das Fundament zur Einstufung und Überwachung des ökologischen und des chemischen Zustands von Ge­wässern. Derzeit werden EU-weit 45 prioritäre Stoffe untersucht und in Deutschland 162 flussgebietsspezifische Schadstoffe. In beiden Listen finden sich derzeit keine Arzneimittel. In der nächsten Überarbeitung der OGewV soll dies jedoch geändert werden. Die schon in einer Beobachtungsliste stehenden Hormone 17α-Ethinylestradiol (EE2) und 17β-Estradiol (E2), sowie das Schmerzmittel Diclofenac sollen aufgenommen werden. Das Umwelt­bundesamt und die Bundesländer arbeiten an der Festsetzung von stoffspezi­fischen Umweltqualitätsnormen. Werden diese dann überschritten, können konkrete Maßnahmen für die Reduzierung des Stoffeintrags ergriffen werden. Somit wäre von Seiten der Behörden ein wichtiger Baustein zur langfristigen Reduzierung des Arzneimitteleintrags in unsere Gewässer gegeben. Weitere Wirkstoffe aus anderen Arzneimittelgruppen könnten in Zukunft Umwelt­qualitätsnormen zugewiesen bekommen. Hier wäre es sinnvoll, wenn die Antibiotika einen prioritäre Stellung einnehmen würden. 

Arzneimittelwirkstoffe und deren Transformationsprodukte in Umweltmatrices wie Wasser, Böden, Klärschlamm und Biota sind seit vielen Jahren ein Thema, das bei der GBA Laborgruppe mit großem Interesse verfolgt wird. So haben wir 2012 ein Forschungsvorhaben abgeschlossen, das sich mit dem Nachweis verschiedenster Wirkstoffe im Abwasser beschäftigt hat. Die Liste der bei der GBA untersuchten Analyten in den Geschäftsbereichen Umwelt und Lebensmittel wird entsprechend der wachsenden Nachfrage und des größer werdenden Interesses immer weiter ausgebaut, um auch hier für Sie weiter als kompetenter Ansprechpartner zur Verfügung zu stehen.


GBA Gesellschaft für Bioanalytik mbH
Herrn Dr. Sven Steinhauer
Tel.: +49 (0)40 797172-0


Literatur:
[1] IMS Health, 2013 - IMS Health (2013): MIDAS database. Frankfurt/ Main Germany; Stand 03.05.2015
[2] Watanabe N, Bergamaschi BA, Loftin KA, Meyer MT, Harter T, (2010): Use and environmental occurence of antibiotics in freestall dairy farms with manured forage fields.- Environ. Sci. Technol. 44: 6591-6600
[3] Bartelt-Hunt S, Snow DS, Damon-Powell T, Miesbach D (2011): Occurrence of steroid hormones and antibiotics in shallow groundwater impacted by livestock waste control facilities. Journal of Contaminant Hydrology 123, 94-103
[4] http://www.bmg.bund.de/fileadmin/dateien/Downloads/A/Antibiotika
resistenzstrategie/DART_Zwischenbericht_110407.pdf
; 03.05.2015
[5] Rönnefahrt I, Amato R, Ebert I, Schönfeld J (2012): Arzneimittel in der Umwelt – Ein Risiko? UMID: Umwelt und Mensch – Informationsdienst. 1(2012): 36-43

 
 

Perchlorat und Chlorat im Überblick

von Mareen Lehmann, GBA Laborgruppe

Chlorate, die Salze der Chlorsäure, sind starke Oxidationsmittel.[1] Aus diesem Grund wurden sie früher als Totalherbizid verwendet, wobei diese Wirkung auf der Zerstörung des Pflanzengewebes durch freiwerdenden Sauerstoff beruhte. Heutzutage darf dieser Wirkstoff EU-weit nicht mehr angewendet werden.[2] Trotz dieses Verbots werden immer wieder Chlorate in Lebensmitteln gefunden. Die Gründe dafür können sehr unterschiedlich sein. Die Rückstände können aus der Anwendung von gechlortem Waschwasser oder umweltbedingt aus Bewässerungswasser stammen. Weiterhin ist die Aufnahme von Chlorat aus den Böden, die durch industrielle Einflüsse oder aus früherer Verwendung von chlorathaltigen Düngemitteln belastet sind, nicht auszuschließen. Für Chlorat gilt rechtlich als nicht mehr zugelassenes Pflanzenschutzmittel EU-weit der allgemeine Höchstgehalt in Lebensmitteln von 0,01 mg/kg gemäß der VO (EG) Nr. 396/2005.[3]

Perchlorate sind Salze der Perchlorsäure, die in der Umwelt in natürlicher Form als Staubablagerungen vorkommen. Sie bilden sich in der Atmosphäre durch oxidative Prozesse und gelangen über den Niederschlag in Böden und Gewässer.[4] Die Verwendung von perchlorathaltigem Dünger ist eine weitere Ursache für den Eintrag in pflanzliche Lebensmittel. Perchlorate werden als Ammoniumperchlorat in z.B. Raketentreibstoff und Feuerwerkskörpern verwendet und finden in verschiedenen industriellen Prozessen ihren Einsatz.[5] Natriumhypochlorit wird zur Desinfektion von Wasser genutzt und kann sich dann zu Perchlorat umsetzen.[6]

Chlorat und Perchlorat können reversibel die Aufnahme von Jodid in die Schilddrüse hemmen. Vor allem bei jüngeren Altersgruppen mit leichtem bis mäßigen Jodmangel kann eine erhöhte Aufnahme bedenklich sein. Bei längerer Aufnahme kann es zur Schädigung der roten Blutkörperchen kommen.[3]

Die Bewertung von Perchlorat in Lebensmitteln war in den letzten Wochen immer wieder ein Thema. So wurde in der Sitzung des Ständigen Aus­schusses für Pflanzen, Tiere, Lebensmittel und Futtermittel (STALuT) am 10. März 2015 neue Referenzwerte festgelegt, die dann ab dem 16. März diesen Jahres Anwendung fanden.[7] Die bis dahin gültigen Übergangswerte wurden damit abgelöst. Eine Auflistung der Referenzwerte können Sie HIER einsehen.

Ferner ruft die EU-Kommission seine Mitgliedsstaaten mit Ihrer Empfehlung (EU) 2015/682 vom 29. April 2015 zum Monitoring des Vorkommens von Perchlorat in Lebensmitteln auf. Es sollen mehr Daten in Europa gesammelt werden, damit die Unsicherheit in der Risikobewertung reduziert werden kann. Die Lebensmittelunternehmen sollten sich dabei aktiv beteiligen, um später eine repräsentative Einschätzung zum Risiko für die öffentliche Gesundheit abgeben zu können. Bis Ende Februar 2016 sollen die Mitgliedsstaaten die Ergebnisse ihrer Untersuchungen an die EFSA (Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit) weitergeben.


Eine Überwachung soll insbesondere bei folgenden Lebensmitteln erfolgen [8]:
•    Obst, Gemüse und deren Verarbeitungserzeugnissen, einschließlich
      Fruchtsäften
•    Lebensmittel für eine besondere Ernährung, die für Säuglinge und
      Kleinkinder
      bestimmt sind (im Sinne der Verordnung (EU) Nr. 609/2013)
•    Getrocknete Gewürze und Kräuter; Tee; Kräuter- und Früchtetee
•    Getränke, einschließlich Trinkwasser


Anhand dieser Liste ist zu erkennen, dass Perchlorat nicht mehr nur ein Thema für die Obst- und Gemüsebranche ist, sondern sich auf viele Bereiche der Nahrungsmittelindustrie ausgeweitet hat.

Die GBA Laborgruppe hat für Perchlorat/Chlorat in Anlehnung an die Analysenmethode des EU Reference Laboratory ein Messverfahren mittels HPLC-MS/MS für die Routineanalytik entwickelt und validiert. Die Entwick­lungen und Meldungen zum Thema Perchlorat in Lebensmitteln werden kontinuierlich in der GBA Laborgruppe verfolgt und wir stehen Ihnen gerne für weiterführende Fragen zur Verfügung.

GBA Gesellschaft für Bioanalytik mbH
Frau Stefanie Riechers
Tel.: +49 (0)40 797172-0


Literatur:
[1] Vorschläge des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) zur gesundheitlichen Bewertung von Chloratrückständen in Lebensmitteln, Stellungnahme Nr. 028/2014 des Bundesinstituts für Risikobewertung, Stand 12. Mai 2014
[2] http://www.cvuas.de/pub/beitrag.asp?subid=1&Thema_ID=5&ID=1852,
Chemisches und Veterinäruntersuchungsamt Stuttgart, Stand 12.05.2015
[3] http://www.analytik-news.de/Fachartikel/2014/47.html , Stand 12.05.2015
[4] Empfehlung des BfR zur gesundheitlichen Bewertung von Perchlorat-Rückständen in Lebensmitteln, Stellungnahme Nr. 015/2013 des Bundesinstituts für Risikobewertung, Stand 06. Juni 2013
[5] http://www.analytik-news.de/Fachartikel/Volltext/cvuas16.pdf , Stand 12.05.2015
[6] http://www.cvuas.de/pub/beitrag.asp?subid=1&Thema_ID=5&ID=2057&
lang=DE&Pdf=No
,  Chemisches und Veterinäruntersuchungsamt Stuttgart, Stand 12.05.2015
[7] http://ec.europa.eu/food/food/chemicalsafety/contaminants
/docs/statement_perchlorate_in_food_en.pdf
, Stand 12.05.2015
[8] http://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/PDF/?uri=CELEX:32015
H0682&from=DE
, Stand 12.05.2015

 
 

Insektizide in Gewässern

von Dr. Sven Steinhauer, GBA Laborgruppe

Der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln belastet sowohl die Oberflächen­gewässer, als auch zunehmend die Grundwässer. Dabei nehmen die Herbizide mit 41% und die Fungizide mit 24% die ersten beiden Plätze ein, noch vor den Wachstumsreglern und Keimhemmungsmitteln (7%). Erst an vierter Stelle folgen die Insektizide und Akarizide mit 2,2% oder 940 Tonnen im Jahr 2013.[1]

Dementsprechend findet sich diese Substanzklasse auch nur untergeordnet in vielen Studien wieder. In einer umfassenden Recherche wurde von Schulz und Stehle das Vorkommen von Insektiziden in Oberflächengewässern unter­sucht.[2] Dabei wurden vorhandene Daten von 838 Studien verwendet und insgesamt 11.300 Fälle identifiziert, in denen ein Insektizid in einem Gewässer gemessen wurde. Alarmierend dabei ist, dass in 52,4% der Fälle die gefundene Konzentrationen höher waren, als sie laut behördlichem Zulassungsverfahren sein dürften. Die Ursache hierfür ist noch nicht vollständig geklärt. Die Daten zeigen, dass die Gewässer in Ländern mit vermeintlich strenger Umweltgesetzgebung ebenso belastet sind, wie jene in weniger restriktiven Ländern. Die Vermutung liegt nach Ralf Schulz nahe, dass entweder Schwächen bei der Risikobewertung vorliegen oder mögliche Versäumnisse gegenüber den einzuhaltenden Auflagen beim Ausbringen von Insektiziden auf der landwirtschaftlichen Fläche als Gründe in Betracht kommen. Die Belastungen in Gewässern hingegen nehmen in Europa, Nordamerika und Asien nach Süden hin deutlich zu, weil dort mit höheren Durchschnittstemperaturen auch mehr Insektizide eingesetzt werden.
Durch Verwehungen und/oder mit dem Regen werden die Insektizide in Bäche und Seen gespült. Durch Ihre hohe Toxizität und die gefundenen Konzentra­tionen reduzieren die Insektizide dort die Biodiversität.

Eine jüngere Klasse der Insektizide, die Neonicotinoide haben in den letzten Jahren für Aufsehen gesorgt, da Sie im Verdacht stehen, für das weltweit verbreitetet Honigbienensterben verantwortlich zu sein. Hierbei spielt die Toxizität eine entscheidende Rolle.[3,4] So liegt die mittlere letale Dosis (LD50) für aufgenommenes Imidacloprid und Clothianidin bei der Honigbiene bei 5 bzw. 4 ng pro Individuum. Sie ist damit um den Faktor 10.000 niedriger als bei DDT.[5]

Ein neueres Gutachten der EU-Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) kommt zu dem Schluss, dass sich die Neonicotinoide Acetamiprid und Imidacloprid schädlich auf die Entwicklung des Nervensystems bei Säuglingen und Kleinkindern auswirken könnten. Die Lern- und Gedächtnisfunktion des Gehirns wird unter Umständen beeinträchtigt.[6] Für diese Substanzklasse liegen noch keine ausreichenden Daten in Oberflächengewässern vor. Dennoch zeigen erste Daten das Risiko für wirbelloses Lebewesen im wässrigen Milieu.[7]

Pflanzenschutzmittel und deren Transformationsprodukte in Umweltmatrices wie Wasser, Böden aber auch in Biota und Lebensmitteln gehören seit vielen Jahren bei der GBA Laborgruppe zum wohl etablierten Analysenportfolio im Ultraspurenbereich. Dabei achten wir sowohl auf neue Entwicklungen als auch darauf, vermeintlich alte und nicht mehr verwendete Pflanzenschutzmittel nicht aus den Augen zu verlieren. Die Liste der bei der GBA untersuchten Analyten in den Geschäftsbereichen Umwelt und Lebensmittel wird entsprechend der neuen und wachsenden Anforderungen ständig aktualisiert und weiter ausge­baut, um auch hier für Sie als kompetenter Ansprechpartner zur Verfügung zu stehen.

GBA Gesellschaft für Bioanalytik mbH
Herrn Ralf Murzen
Tel.: +49 (0)4101 79 46-0

Literatur:
[1] Absatz an Pflanzenschutzmitteln in der Bundesrepublik Deutschland http://www.bvl.bund.de/SharedDocs/Downloads
/04_Pflanzenschutzmittel/meld_par_19_2013.pdf?__blob=publicationFile&v=3
; Stand 05.05.2015
[2] Stehle S, Schulz R, (2015): Agricultural insecticides threaten surface waters at the global scale,
http://www.pnas.org/content/112/18/5750.full.pdf; Stand 05.05.2015
[3] Samson-Robert O, Labrie G, Chagnon M, Fournier V , Neonicotinoid-Contaminated Puddles of Water Represent a Risk of Intoxication for Honey Bees, PLoS One. 2014; 9(12): e108443;  doi:  10.1371/journal.pone.0108443
[4] Rundlöf M, Andersson GK, Bommarco R, Fries I, Hederström V, Herbertsson L, Jonsson O, Klatt BK, Pedersen TR, Yourstone J, Smith HG, Seed coating with a neonicotinoid insecticide negatively affects wild bees., (2015), Nature. doi: 10.1038/nature14420. [Epub ahead of print]
[5] Goulson D: An overview of the environmental risks posed by neonicotinoid insecticides. (2013) Journal of Applied Ecology. 50, 977–987, doi:10.1111/1365-2664.12111.
[6] EFSA bewertet möglichen Zusammenhang zwischen zwei Neonikotinoiden und Entwicklungsneurotoxizität;
http://www.efsa.europa.eu/de/press/news/130116.htm; Stand 05.05.2015
[7] Morrissey CA, Mineau P, Devries JH, Sanchez-Bayo F, Liess M, Cavallaro MC, Liber K, (2015), Neonicotinoid contamination of global surface waters and associated risk to aquatic invertebrates: A review, Environ Int 74:291–303.

 
 

Themenserie Mikrobiologie: Schimmelpilze

von Mareen Lehmann, GBA Laborgruppe

Schimmelpilze sind, ähnlich wie die Hefen, Mikroorganismen, die nicht nur als Verderbniserreger anzusehen sind, sondern in der Lebensmittelherstellung gezielt eingesetzt werden.[1] Der sogenannte Edelschimmel verleiht den Lebensmitteln sein bekanntes Aroma. Als Beispiele seien hier die Weich­käsesorten Camembert und Roquefort sowie die Edelsalami genannt. Im Weinbau kann der Schimmelpilz Botrytis cinerea ebenfalls unterschiedliche Auswirkungen auf die Ernte und das Aroma des Weins haben. Bei wärmerem Herbstwetter befällt der Pilz die reife Beere. Durch enzymatische Prozesse wird die Haut durchlässiger und das Wasser aus der Traube kann besser verdunsten, wodurch sich die Zuckerkonzentration erhöht. Durch die Edelfäule entsteht hochwertiger, edelsüßer Prädikatswein wie Beerenauslesen und Trockenbeerenauslese. Jedoch ist der Schimmelpilz bei trockenen Weißweinen sowie Rotweinen unerwünscht, da Geschmack und Farbe erheblich beeinträchtigt werden.

Besonders gefährdet für einen Schimmelbefall sind kohlenhydratreiche und eiweißhaltige Lebensmittel wie Nüsse, Getreide, Obst und Brot. Verschimmelte Nahrung ist nicht immer durch das sichtbare Mycel erkennbar und sollte auf keinen Fall mehr verzehrt werden.[2]

Schimmelpilze sind aerobe Mikroorganismen, die für ihr Wachstum den Luftsauerstoff brauchen, weshalb sie sich bevorzugt auf den Oberflächen der Lebensmittel vermehren. Die minimal erforderliche Sauerstoffkonzentration kann dabei sehr unterschiedlich sein. Unter anaeroben Bedingungen können manche Pilze gären, wobei das Wachstum unter diesen Bedingungen bereits nach kurzer Zeit gehemmt wird. Schimmelpilze können sich ebenfalls im sauren Milieu vermehren. Im Allgemeinen haben sie sich an extreme Bedingungen besser angepasst als Bakterien. Weiterhin bilden sie sehr viele Sporen und können allergieauslösend sein.[2]

Mykotoxine sind toxische Stoffwechselprodukte, die im Sekundär­metabolismus verschiedener Pilze (z.B. Aspergillus, Fusarium) gebildet werden. Es gibt ca. 250 Schimmelpilzarten, die mehr als 300 verschiedene Mykotoxine bilden. Man unterscheidet dabei zwischen Feld- und Lagerpilzen. Feldpilze, z.B. Fusarienpilze, befallen insbesondere Getreide bereits auf dem Feld. Dabei können u.a. die Mykotoxine Dexynivalenol, Zearalenon oder Fumonisine gebildet werden. Lagerpilze wie Aflatoxine, Ochratoxin A oder Patulin wachsen während der Lagerung. Hier sind vor allem die Aflatoxine hervorzuheben, die als hoch kanzerogen (krebserregend) eingestuft werden. Die am häufigsten vorkommende Form ist Aflatoxin B1, welches nicht nur pflanzliche Lebensmittel kontaminiert, sondern auch Futtermittel. Wird das verunreinigte Futter von Nutztieren aufgenommen, können die Mykotoxine oder ihre Metaboliten in tierische Lebensmittel wie Milch und Fleisch übergehen. Dieser Prozess wird auch als „carry over“ bezeichnet.[3]

Um einen Befall mit Schimmelpilzen zu vermeiden, können landwirtschaftliche Maßnahmen wie gesundes Saatgut oder die Anwendung von Fungiziden im Düngemittel und eine sachgerechte Ernte vorbeugend wirken. Ebenfalls sollte eine trockene Lagerung gewährleistet sein, um z.B. die Bildung von Myko­toxinen zu vermeiden. Weitere konservierende Maßnahmen sind Kühlen, die Absenkung des aw-Wertes (Maß für das frei verfügbare Wasser im Lebensmittel) oder Zusatz von Konservierungsstoffen.

Haben Sie weitere Fragen, dann kontaktieren Sie Ihren persönlichen Kundenbetreuer oder

GBA Gesellschaft für Bioanalytik mbH
Frau Heike Schlechte
Tel.: +49 (0)40 797172-0



Literatur:
[1] Klein, G., Schütze, B.: Handbuch der mikrobiologischen Beurteilung von Lebensmitteln, 1. Auflage, Behr´s Verlag Hamburg, 2011
[2] Krämer, J.: Lebensmittelmikrobiologie, 4. neu bearbeitete Auflage, Verlag Eugen Ulmer GmbH & Co., Stuttgart (Hohenheim), 2002
[3] Baumgart, J., Becker, B., Stephan, R.: Mikrobiologische Untersuchung von Lebensmitteln, 66. Aktualisierungs-Lieferung, Behr´s Verlag GmbH Co.KG, Hamburg, 2014


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