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Newsletter

März 2018

• Acrylamid-Verordnung tritt in Kraft
• Zulassung von Iprodion nicht erneuert
• Laborkommunikation 4.0

 

Liebe Leserinnen & Leser,

herzlich willkommen im Frühling! Zwei wichtige Themen nehmen diesen Monat einen hohen Stellenwert im Be­reich der Analytik ein. Zum einen informieren wir Sie über die aktuelle Acrylamid-Verordnung und die damit ver­bundenen Pflichten für Lebensmittelunternehmer. Zum anderen haben wir für Sie die neusten Entwicklungen für Iprodion zusammengefasst. Zusätzlich geben wir Ihnen einen Einblick in die Laborkommunikation 4.0 bei der GBA Laborgruppe. Sollten Sie Fragen oder Anregungen für uns haben, schreiben Sie gerne an .

Wir wünschen Ihnen frohe Ostern und viel Freude beim Lesen!
Ihre GBA Laborgruppe

 
 

Regulierung von Acrylamid – Verordnung (EU) 2017/2158 tritt in Kraft

von Julia Bartels, GBA Laborgruppe

Am 20. November 2017 hat die Europäische Kommission die Verordnung (EU) 2017/2158 „zur Festlegung von Minimierungsmaßnahmen und Richtwerten für die Senkung des Acrylamidgehalts in Lebensmitteln“ im Amtsblatt der Europäi­schen Union veröffentlicht. Mit dieser Verordnung wurden erstmals Regelungen zum Umgang mit Prozesskontaminanten in Lebensmitteln festgeschrieben und im europäischen Hygienerecht verankert.[1]

Acrylamid ist eine Prozesskontaminante, die unbeabsichtigt bei der Verar­beitung oder Zubereitung von Lebensmitteln entsteht. Ursache für die Acrylamid-Konta­mination ist die sogenannte Maillard-Reaktion. Es handelt sich hierbei um eine nicht-enzymatische Bräu­nungsreaktion, die durch Wärmezufuhr eingeleitet wird. Durch das Erhitzen eines Lebensmittels (über 120 °C) werden bestimmte Amino­säuren (z. B. Asparagin) und reduzierende Zuckerarten (z. B. Glucose und Fruc­tose) zu neuen Verbindungen umgewandelt. Die aus der Bräunungsreaktion ent­stehenden Verbindungen sind enorm wichtig für die sensorische Wahrnehmung (Farbe und Aromen) des jeweiligen Lebensmittels, weshalb im Herstellprozess auf diese nicht verzichtet werden kann. Jedoch kann es bei Lebensmitteln, die einen hohen Gehalt an Aminosäuren und redu­zierenden Zuckerarten enthalten, auch zu einer erhöhten Bildung an Acrylamid kommen. Dieser Bildungsweg ver­läuft unabhängig davon, ob das Lebensmittel industriell, zu Hause oder in der Gastronomie hergestellt oder zubereitet wird.

Das Vorkommen von Acrylamid in Lebensmitteln wurde erstmals im April 2002 festgestellt. Da in Tierversuchen nachgewiesen werden konnte, dass Acrylamid krebsauslösend und erbgutschädigend sein kann, wurde in Deutschland seit 2002 das sogenannte Minimierungskonzept implementiert. Hierbei wurde vom Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) aus den Untersuchungsergebnissen der amtlichen Lebensmittelüberwachung der Län­der für verschiedene Warengruppen jeweils ein Signalwert berechnet. Wenn dieser Signalwert von einem Hersteller überschritten wurde, dann fand im Rahmen des Minimierungsdialogs eine Überprüfung durch die Überwachungs­behörde statt, ob bzw. welche Änderungen an der Rezeptur und an dem Her­stellungsprozess mög­lich sind, um den Acrylamidgehalt zu senken. Die Pro­blematik, dass Acrylamid in Lebensmitteln gebildet wird und enthalten sein kann, wurde nicht nur in Deutschland sondern auch auf der EU-Ebene erkannt. Durch diese Erkenntnis wurden europaweite Forschungsprojekte zur Acrylamid­reduzierung bei der Le­bensmittelherstellung initiiert, deren Ergebnisse in eine „Toolbox“ für verschie­dene Lebensmittelkategorien einflossen. Dieser „Werk­zeugkasten“ wurde in den darauf folgenden Jahren in Form von Merkblättern als Anleitung für Lebensmittel­hersteller vom Verband „FoodDrinkEurope“ zur Verfügung gestellt.[2,3]

Den Anstoß für die neue Regulierung von Acrylamid in Lebensmitteln gab die 2015 veröffentlichte Risikobewertung der Europäischen Behörde für Lebensmit­telsicherheit (EFSA) zu Acrylamid.[4] Es wurde festgestellt, dass die Gesamt­aufnahme über die Nahrung als bedenklich anzusehen ist, da Acrylamid in vielen Lebensmitteln und im Vergleich zu anderen krebsverdächtigen Substan­zen teil­weise in relativ hohen Konzentrationen vorkommt. Inwieweit die nah­rungsbedingte Aufnahme von Acrylamid tatsächlich an der Krebsentstehung beim Men­schen beteiligt ist, kann nach dem jetzigen Stand des Wissens nicht ausreichend beantwortet werden. Aufgrund des möglichen gesundheitlichen Risi­kos wird des­halb von der EFSA empfohlen, die Acrylamidgehalte in Lebens­mitteln weiter zu senken.[5] Vor diesem Hintergrund hat die Europäische Kommi­ssion in einem zweijährigen Rechtssetzungsprozess die Verordnung (EU) 2017/2158 „zur Fest­legung von Minimierungsmaßnahmen und Richt­werten für die Senkung des Acry­lamidgehalts in Lebensmitteln“ veröffentlicht, die am 11. April 2018 in Kraft treten wird. Mit dieser Verordnung werden neben neuen, niedrigeren Richtwerten eben­falls konkrete und verbindliche Vorgaben zur Minimierung von Acrylamid in Lebens­mitteln wie Brot, Frühstückscerealien, Kartoffelchips oder Babykost fest­gelegt. Die Verordnung sieht für die verschie­denen Produktgruppen einen gan­zen Katalog von Minimierungsmaß­nahmen vor.[3] Ziel der Minimierungsmaß­nahmen ist es, differenziert auf die unter­schiedlichen Lebensmittelgruppen und ihre Verarbei­tung zu schauen, um möglichst niedrige Acrylamidgehalte zu erzielen. In der Produktion soll z. B. bei der Auswahl der Rohstoffe darauf geachtet werden, dass diese für eine niedrige Acrylamidkonzentration bekannt sind. Die Tempera­tur sollte bei der Verarbei­tung (z. B. Backen, Frittieren oder Rösten) 175 °C nicht überschreiten. Des Weite­ren soll die Verwendung anderer Frittier- und Bratfette die Verweilzeit des Lebensmittels bei hohen Temperaturen reduzieren und/oder das gleiche Ver­arbeitungsergebnis bei niedrigeren Temperaturen erzielen.[1]

Zusätzlich zu den Minimierungsmaßnahmen wird durch die Verordnung die Verpflich­tung zur Eigenkontrolle und Dokumentation eingeführt. Lebensmittelunter­nehmer, die in den Geltungsbereich der Verordnung (EU) 2017/2158 fallen, sind nach Art. 4 zur Eigenkontrolle und zur Dokumentation des Acrylamidma­nagements ver­pflichtet. Danach haben die Lebensmittelunternehmer im Sinne des Art. 2 Abs. 1 ein Programm für ihre eigene Probenahmen und Analysen des Acrylamidgehalts der in Art. 1 Abs. 2 aufgeführten Lebensmittel aufzustellen. Art und Umfang dieser Eigenkontrollen werden maßgeblich durch die jeweilige Pro­zess- und/oder Produktcharakteristik beeinflusst und sind demnach vom Lebensmittelunterneh­mer individuell festzulegen. In Abhängigkeit der Katego­risierung der Lebens­mittelunternehmer nach Art. 2 unterscheiden sich auch die Dokumentations­pflichten des Einzelunternehmens. Neben der Dokumentations­pflicht sieht die Ver­ordnung gemäß Anh. III Abs. V auch die jährliche „Informati­on der zuständi­gen Behörden“ durch den Lebens­mittelunternehmer vor. Hier­aus erwächst die Verpflichtung zur Herausgabe von Informa­tionen bezüglich der Ergebnisse der Eigenkontrollen zu Acrylamid auf Anfrage der zuständigen Lebensmittelüber­wachungsbehörde.[1,5]

Die GBA Laborgruppe hat es sich zur Aufgabe gemacht, Sie über gesetzliche Änderungen zu informieren. Bei Fragen zu der Verordnung (EU) 2017/2158 oder zur Untersuchung von Acrylamid in Lebensmitteln stehen wir Ihnen als kompe­tenter Ansprechpartner gerne zur Verfügung. Bitte kontaktieren Sie hierfür Ihren persönlichen Kundenbetreuer oder

GBA Gesellschaft für Bioanalytik mbH
Herr Dr. Frank Schütt
Tel.: +49 (0)40 797172-0

 

Literatur:
[1] www.bsmev.de/resources/EU-Acrylamid-Verordnung/EU-Acrylamid-Verordnung.pdf, Stand 13.03.2018
[2] Verband der Getreide-, Mühlen- und Stärkewirtschaft VGMS e.V., VGMS-Information vgms-qs-2018-012 vom 09.03.2018
[3] lgl.bayern.de/lebensmittel/chemie/toxische_reaktionsprodukte/acrylamid/index.htm, Stand 13.03.2018
[4] EFSA Journal; 2015 13(6):4104; Scientific Opinion on acrylamide in food
[5] Bund für Lebensmittelrecht und Lebensmittelkunde e. V., BLL-Rundschreiben 129-2018 vom 12.03.2018

 
 

Zulassung für Iprodion nicht erneuert

von Mareen Lehmann, GBA Laborgruppe

Mit der Durchführungsverordnung (EU) 2017/2091 der Kommission vom 14. November 2017 wurde die Zulassung des Pflanzenschutzwirkstoffes Iprodion nicht verlängert. Die Genehmigung hierfür läuft daher am 31. Oktober 2018 aus. Iprodion ist ein Fungizid, welches u. a. in verschiedenen Gemüsebaukulturen zur Bekämpfung von Alternaria-, Botrytis- und Sclerotinia-Arten eingesetzt worden ist.[1]

Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) kam nach Prüfung aller Daten zu der Schlussfolgerung, dass relevante Metaboliten sehr wahr­scheinlich Auswirkungen auf das Grundwasser haben können. Darüber hinaus kann ein hohes Langzeitrisiko für Wasserorganismen bestehen. Ebenfalls kann ein genotoxisches Potential eines Metaboliten nicht ausgeschlossen werden, weshalb die Festsetzung von Referenzwerten für diesen auf Grundlage der verfügbaren Informationen nicht bestätigt werden kann. Eine abschließende Risikobewertung war aufgrund der Datenlage nicht möglich, ein akutes Ver­braucherrisiko konnte allerdings nicht ausgeschlossen werden. Iprodion ist als karzinogener Stoff der Kategorie 2 gemäß der Verordnung (EG) Nr. 1272/2008 eingestuft gewesen, wohingegen in der Schlussfolgerung der EFSA vorgeschla­gen wurde, den Wirkstoff als karzinogenen Stoff der Kategorie 1B und als repro­duktionstoxischen Stoff der Kategorie 2 einzustufen. Aufgrund dieser Bewertung wurde die Genehmigung für Iprodion gemäß Artikel 20 Absatz 1 Buchstabe b der Verordnung (EG) Nr. 1107/2009 über das Inverkehrbringen von Pflanzenschutzmitteln nicht erneuert. Die Mitgliedsstaaten mussten bis zum 05. März 2018 die Zulassung von Pflanzenschutzmitteln, die Iprodion enthalten, widerrufen.[2]

Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) hat die Zulassung aller Pflan­zenschutzmittel mit dem Wirkstoff antragsgemäß widerrufen. Demnach gilt eine Abverkaufsfrist bis zum 05. Juni 2018 für Pflanzenschutzmittel, die sich bis zum 05. März 2018 bereits im freien Verkauf befunden haben. Die Aufbrauchfrist sollte so kurz wie möglich gehalten werden und endet ebenfalls spätestens am 05. Juni 2018.[3]

In der Vergangenheit war auch Saatgut im Handel, das mit iprodionhaltigen Pflanzenschutzmitteln behandelt worden war. Zwar sind in Deutschland aktuell nur Mittel zur Spritzanwendung zugelassen, jedoch gibt es in anderen EU-Mitgliedstaaten Zulassungen zur Saatgutanwendung, aufgrund derer das ent­sprechende Saatgut auch in Deutschland bisher verkehrsfähig war und aus­gesät werden durfte. Da Zulassungen iprodionhaltiger Pflanzenschutzmittel in allen Mitgliedstaaten bis zum 05. März 2018 widerrufen werden müssen, erlischt spätestens zu diesem Termin auch die Zulässigkeit für das Inverkehr­bringen und das Ausbringen von solchem Saatgut. Weitergehende Aufbrauch­fristen sieht das Pflanzenschutzrecht in diesem Fall nicht vor (Artikel 49 Absatz 1 der Verordnung (EG) 1107/2009 in Verbindung mit §§ 32 Absatz 1, 19 Absatz 1 PflSchG).[3]

Die GBA Laborgruppe hat es sich zur Aufgabe gemacht, Sie über gesetzliche Änderungen zu informieren. Für eventuelle Rückfragen kontaktieren Sie gerne Ihren persönlichen Kundenbetreuer oder
 
GBA Gesellschaft für Bioanalytik mbH
Frau Stefanie Riechers
Tel.: +49 (0)40 797172-0

 

Literatur:
[1] www.q-s.de/news-pool-de/zulassung-wirkstoff-iprodion-widerrufen.html, Stand 06.03.2018
[2] eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/PDF/?uri=CELEX:32017R2091&from=SK, Stand 06.03.2018
[3] bvl.bund.de/DE/04_Pflanzenschutzmittel/06_Fachmeldungen/2018/ 2018_02_19_Fa_Widerruf_Iprodion.html, Stand 06.03.2018

 
 

Laborkommunikation 4.0

von Sandra Schubert und Kevin Jörgens, GBA Laborgruppe

Mit der Einführung digitaler Kommunikationsboards ist die GBA Laborgruppe in die Laborkommunikation 4.0 gestartet. Das Ziel ist es, Informationen schneller und transparenter zur Verfügung zu stellen. Angefangen hat das Projekt mit den Laborboards – beispielsweise werden hierrüber von den Labor- bzw. Standortleitern besonders eilige Proben, Infos zu Geräten (Wartung, Ausfall) etc. angekündigt. Diese sind an den wichtigsten Stellen im Labor zu finden – genau dort, wo die Mitarbeiter arbeiten bzw. mehrmals täglich während ihrer Arbeit vorbeikommen.

Im zweiten Schritt sollen Boards eingeführt werden, auf denen die Mitarbeiter über allgemeine Informationen zur GBA Laborgruppe informiert werden. Diese Informationen können Ankündigungen über neue Mitarbeiter an den einzelnen Standorten, über laufende Projekte etc. sein.

Mit der Firma Peakboard GmbH haben wir einen kompetenten Partner gefun­den, der mit uns dieses Projekt umsetzt. Die Standorte Pinneberg und Hameln sind bereits mit modernen Laborkommunikationsboards ausgestattet, aktuell findet das Rollout in Hamburg statt. Nach und nach soll es an allen GBA Stand­orten implementiert werden.

Weitere Informationen zu dem Projekt finden Sie hier: https://peakboard.com/success-story-gba/


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